München. Mit dem Carsharing-Angebot DriveNow verfolgt BMW i zwei große Ziele: Zum einen soll neben dem klassischen Autoverkauf ein profitables neues Geschäftsfeld etabliert werden. Zum anderen dient das Projekt als "Schnupperangebot“, um Kunden für die Elektromobilität zu gewinnen. In San Francisco setzt Drive Now gar ausschließlich auf Active-E-Fahrzeuge. Damit die E-Autos zuverlässig mit Strom versorgt werden können, sind sie in San Francisco nur an Standorten mit Ladestation verfügbar. In allen anderen Städten können die mit Verbrennungsmotor betriebenen Fahrzeuge – meist innerhalb der Innenstädte – an beliebigen Plätzen abgestellt und übernommen werden.
In Berlin führte BMW gerade 40 der elektrisch fahrenden Active-E-Modelle ein. 20 Active E folgen im Juni in München. Antony Douglas, bei BMW i zuständig für Mobilitätsdienstleistungen, erklärt: "Anfängliche Bedenken gegenüber dem Fahren mit Elektrofahrzeugen können wir gerade durch Carsharing sehr gut entkräften. Es ist ganz einfach, hoch dynamisch und macht großen Spaß – das melden uns auch die Nutzer von DriveNow zurück.“ So soll der Carsharing-Kundschaft künftig auch eins der Elektro-Flaggschiffe von BMW zur Verfügung stehen, kündigt Douglas an: "Wir wollen den BMW i3 ab 2014 für DriveNow-Nutzer anbieten. Damit unterstreichen wir unseren Anspruch, nicht nur der einzige Premium-Carsharing-Anbieter zu sein, sondern mit unseren BMW i-Produkten auch die nachhaltigste Flotte auf die Straße zu bringen.“Umgekehrt soll DriveNow auch Käufern von E-Autos zugutekommen: Wer einen i3 oder i8 wählt, kann auch die DriveNow-Modelle mit Verbrennungsmotor nutzen. DriveNow ist grundsätzlich für Innenstädte konzipiert. Das zeigen die Gebührensätze: In den Standardtarifen von 31 oder 34 Cent pro Minute – und dem Spartarif für 24 Cent pro Minute – sind ab Kilometer 201 zusätzlich 29 Cent für jeden weiteren Kilometer zu entrichten. Der Fokus auf innerstädtische Strecken spiegelt sich auch in den Nutzungsdaten. Die durchschnittliche Fahrstrecke bei jeder Anmietung liegt BMW zufolge zwischen zehn und 15 Kilometern. Wenn die Fahrzeuge nach zehn Monaten durch neue ersetzt werden, haben sie Fahrleistungen im niedrigen fünfstelligen Kilometerbereich erreicht.DriveNow stärkt Service-Schiene
Ergänzend bietet DriveNow Sonderlösungen für längere Strecken an. So ist seit Februar in München die Fahrt vom und zum Flughafen möglich. Dafür gibt es einen Spezialtarif. Normalerweise muss der Kunde das Fahrzeug zum Ende der Mietzeit im Geschäftsgebiet von DriveNow abstellen. Stellt er es außerhalb dieser Zonen ab, muss er eine vom Abstellort abhängige Zusatzgebühr zahlen. Für die Fahrt vom und zum Flughafen berechnet DriveNow den Nutzern zusätzlich zu den Minutengebühren eine Servicepauschale von zwölf Euro.
Damit "bieten wir unseren Kunden einen hochwertigen Valet-Service. Der Kunde gibt sein Fahrzeug zusammen mit dem Parkticket einfach in der DriveNow-Rückgabezone im Bereich Komfort- und Sicherheitsparken im Parkhaus P20 ab und beendet wie gewohnt die Miete. Ein Mitarbeiter des Parkhausdienstleisters am Flughafen übernimmt das Fahrzeug und stattet es mit einem Ausfahrticket aus“, erklärt dazu Nico Gabriel, einer der Geschäftsführer von DriveNow.Ebenfalls durch ein Zusatzangebot sind seit Kurzem Fahrten zwischen den Innenstädten von Düsseldorf und Köln möglich: Wer seine Fahrt in einer der beiden Städte starten und die Miete in der anderen beenden möchte, kann dies gegen eine Zusatzgebühr von acht Euro tun.Mithilfe der Risikokapitalgesellschaft BMW i Ventures arbeitet BMW zudem daran, ein Netz von Mobilitätsdienstleistungen aufzubauen, die sich bislang zwar schwerpunktmäßig, aber erklärtermaßen nicht ausschließlich an Autofahrer richten. In der Wahl von New York als Firmensitz steckt bereits eine Botschaft: "New York City hat eine hochinteressante Szene für Start-up- Mobilitätsdienstleistungen. Wir tragen mit einer flexibel agierenden Beteiligungsgesellschaft der Schnelligkeit der Start-up-Szene Rechnung. Wir möchten vom Knowhow und der hohen Flexibilität von Startups profitieren, umgekehrt sind wir ein weltweit auftretender, kapitalstarker Partner“, erläutert Douglas.
Am deutlichsten wird die Verbindung der Risikokapitalgesellschaft zum Carsharing in San Francisco. Die elektrischen Active-E-Modelle, die für DriveNow in der Metropole an der US-Westküste unterwegs sind, können dort während ihrer Mietzeit an Ladesäulen des ChargePoint-Netzwerks neue Energie tanken. Am Anbieter dieses Netzwerks, der kalifornischen Firma Coulomb Technologies, hält BMW i Ventures eine Beteiligung. ChargePoint betreibt laut BMW das weltweit größte Online-Netzwerk zur Vermittlung von Ladestationen für Fahrer von Elektrofahrzeugen.Wenige Wochen nach dem DriveNow-Start ging in San Francisco zudem der Parkplatzsuchdienst ParkNow in Betrieb, ein Joint Venture von BMW i Ventures und dem Unternehmen Urban Mobility. Mit diesem Dienst können Autofahrer via Internet oder Smartphone-App einen Parkplatz in einer von gut 35 angeschlossenen Parkstationen im Großraum San Francisco reservieren und bezahlen. Diesen Service will BMW i nun mithilfe der kürzlich geschlossenen Partnerschaft mit dem estnischen Unternehmen NOW! Innovations ausweiten, das bereits in acht Ländern auf drei Kontinenten tätig ist.Denn bislang konnte ParkNow ausschließlich Plätze in Parkhäusern anbieten. Die Zahlungs- und Abrechnungslösungen von NOW! Innovations sollen nun auch die Einbeziehung von Parkplätzen beispielsweise am Straßenrand ermöglichen. Parkraumbetreiber oder Städte könnten sich mit ihren Abstellplätzen via Cloud-Computing in diese Parkplatz-Vermittlung einbringen und den Autofahrern damit unter anderem die Abrechnung per Mobiltelefon ermöglichen.Zum Portfolio von BMW i Ventures gehören auch die Dienste ParkatmyHouse, MyCityWay und Embark. Bei Parkatmy-House handelt es sich um eine in Großbritannien entwickelte virtuelle Parkplatzbörse: Unternehmen oder Privatleute können dort Park plätze zum Vermieten anbieten. BMW i war bereits in die Entwicklung dieses Angebots eingebunden. Bislang hat der Dienst nach eigenen Angaben in Großbritannien über 20.000 Parkmöglichkeiten im Angebot und rund 150.000 registrierte Autofahrer. An einer Ausdehnung dieses Angebots auf andere Länder arbeiten die Kooperationspartner.MyCityWay ist eine kostenlose App für Smartphones, die in 70 Städten zahlreiche auf den individuellen Standort bezogene Informationen bietet. Das können beispielsweise Verkehrsinformationen in Echtzeit sein, die Route zum nächsten Lebensmittelgeschäft, einem Geldautomaten oder einer rund um die Uhr geöffneten Apotheke. Umsätze erzielt MyCityWay unter anderem durch Werbung und durch Gebühren für Buchungen, die über dieses System erfolgen.Die App Embark soll Pendlern und anderen Reisenden den Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln erleichtern. Das System bietet unter anderem Informationen über die Verbindungen sowie aktuelle Ankunfts- und Abfahrtszeiten einschließlich Verspätungen. Zum Service gehören auch "Bedienungsanleitungen“ für die öffentlichen Verkehrsmittel in fremden Städten. Bislang umfasst die App rund ein Dutzend Verkehrssysteme in den USA.Jüngst beteiligte sich BMW i Ventures an dem Unternehmen Life360. Ulrich Quay, Managing Director von BMW i Ventures, erläutert: "Life360, die größte familienorientierte Smartphone-App, ermöglicht es mehr als 14 Millionen Familien, im hektischen Alltag verbunden zu bleiben.“ Life360 erlaubt es Eltern, den Aufenthaltsort ihrer Kinder zu sehen und bei einem Notfall sofort zu helfen. Darüber hinaus enthält die App Informationen über nahe gelegene Krankenhäuser und Polizeistationen und bietet eine eigene Kommunikationsfunktion zwischen den Familienmitgliedern. Über denkbare Weiterentwicklungen in Richtung Automobil sagt Quay: "Ein Anwendungsfall für eine Integration in das Auto wäre zum Beispiel die reibungslose Navigation zu Familienmitgliedern.“