München. Für viele Händler hängt eine Menge Geld an der Frage, wohin sich Restwerte und Gebrauchtwagenpreise 2013 entwickeln werden. Geraten sie angesichts von hohen Rabatten und Eigenzulassungen im Neuwagengeschäft weiter unter Druck oder können sie sich stabilisieren? Die Meinungen von Marktteilnehmern und -beobachtern, mit denen die Automobilwoche gesprochen hat, gehen auseinander, mehrheitlich werden aber sinkende Restwerte erwartet. Deutlich steigende Preise prognostizierte hingegen kein Befragter.
Riskantes Spiel mit den Restwerten
Beim ZDK geht man von einer wachsenden Restwertproblematik bei Leasingrückläufern aus. Viele Händler hätten 2010 Verträge mit hohen Restwerten abgeschlossen. Zudem gerieten durch den rückläufigen Neuwagenmarkt und hohe Nachlässe auch die Gebrauchtwagenpreise unter Druck. „Nach unten“, bringt Ferdinand Dudenhöffer seine Prognose zur Entwicklung der Restwerte auf den Punkt. Die Wirtschaftskrise werde auch Deutschland treffen, und wenn der Neuwagenmarkt schlechter läuft, geraten parallel die Preise der Gebrauchten unter Druck, ist er überzeugt. Bei hochwertigeren, neueren Autos wie Leasingrückläufern sieht er die stärksten Auswirkungen. Hier seien die Restwerte oft fünf bis zehn Prozent zu hoch angesetzt worden. Einen dramatischen Einbruch erwartet er aber nicht.
Auch Stefan N. Quary, Sprecher der Dürkop-Geschäftsführung, glaubt, dass die Preise von Leasingrückläufern unter Druck geraten werden. Händler, die viele Kilometerverträge gemacht hätten und jetzt das Restwertrisiko tragen müssen, würden 2013 wohl keine schönen Zahlen haben, sagt er und betont: „Ich bin froh, dass wir dieses Problem nicht haben.“ Man habe rechtzeitig auf Ballonratenfinanzierungen und Restwertverträge umgestellt. Händler, die keine Probleme im Leasingbereich hätten, könnten von sinkenden Gebrauchtwagenpreisen auch profitieren, sagt Quary. Schließlich können sie dann günstig einkaufen. Insgesamt sieht er im Volumenbereich stärkeren Druck auf die Preise als im Premiumsegment. Es werde aber Unterschiede von Hersteller zu Hersteller und von Modell zu Modell geben.Auch Ansgar Klein vom Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) erwartet sinkende Preise, insbesondere bei den werthaltigeren, jüngeren Autos. Je älter die Fahrzeuge sind, desto geringer werde der Effekt sinkender Preise sein. Neben der Wirtschaftskrise sieht er auch das steigende Angebot, das unter anderem aus dem Ausland befeuert werde, als Grund für den Rückgang. Für die freien Händler ist das seiner Ansicht nach nicht unbedingt ein Problem. Sie könnten sich schnell anpassen, sagt er. Bei AutoScout24 geht man ebenfalls von einem leichten Preisrückgang aus. Dort erwartet man steigende taktische Zulassungen und dadurch Druck speziell auf die jungen Gebrauchten bis zu einem Alter von drei Jahren.
Doch nicht alle Befragten prognostizieren einen Rückgang. So erwartet Siegfried Trede, der Chef der DAT-Marktbeobachtung, dass die Restwerte 2013 „auf dem niedrigen Niveau stabil bleiben werden“. Zudem sei festzustellen, dass die Kilometerlaufleistung als Einflussfaktor auf die Restwerte an Gewicht gewonnen habe. Am positivsten klingt die Prognose bei Mobile.de. Dort erwartet man eine stabile Entwicklung, sofern die Wirtschaft von weiteren Eskalationsstufen der Schulden- und Finanzkrise verschont bleibe. „Wir beobachten nun schon seit einigen Monaten eine Entspannung des Marktes“, sagt Geschäftsführer Malte Krüger. „Der Durchschnittspreis für Gebrauchtfahrzeuge auf Mobile.de stieg von Juli bis November sukzessive, unter anderem bedingt durch eine leichte Abnahme des Angebots.“ Zum Jahresende habe er sich auf hohem Niveau eingependelt. Das stimme ihn optimistisch für 2013, so Krüger.