Holzkirchen. Mit einem Geschenk seines Vaters zum Examen als Wirtschaftsingenieur fing es an, erinnert sich Schaal. Er bekam einen alten MG, mit dem er in die Oldtimer- Szene "reingerutscht“ sei. "Und alle dort hatten das Problem Reifen.“ Die Initialzündung zu seinem Unternehmen kam auf einer deutschen Industriemesse in Uruguay. "Da habe ich all die alten Reifen gesehen, weil Conti in den 1950er-Jahren seine alten Formen dorthin verkauft hatte. Also habe ich angefangen, Reifen von dort zu beziehen.“ Heute ist es für Schaal deutlich einfacher, an Reifen zu kommen. Denn er hat für die Oldtimer-Programme mehrerer Marken die exklusive lokale Vertretung – wobei "lokal“ durchaus Süddeutschland und Österreich bedeuten kann. So sagt er selbstbewusst: "Wenn ich einen Reifen nicht habe, dann gibt es ihn nicht. Es gibt kein Problem, das wir nicht lösen.“ Dank eines Lagerbestands im vierstelligen Bereich kann er schnelle Verfügbarkeit bieten. Ansonsten müssten Kunden teils wochenlang warten, um den gewünschten Reifen zu bekommen. Schon im Eingangsbereich erwartet die Kunden ein weißer Mercedes SL mit Weißwandreifen. Die hellen Flanken verdanken sie einer Methode, auf die Schaal ein Patent hat. Sie werden auf Reifen, die eigentlich nur in Schwarz verfügbar sind, aufvulkanisiert. Einige Reifen lässt er auch exklusiv für sich herstellen, der Spezialist hat die Rechte an drei alten Marken. Und wenn ein Kunde mit einem Oldtimer, für den es eigentlich keine Winterreifen gibt, unbedingt eine Winter-Rallye fahren will, bekommt er eben ein entsprechendes Profil aufgummiert.
Schlappen fürs Schnauferl
Auch Felgen gehören zu Schaals Geschäft. Um sie auswuchten zu können, hat er sich spezielle Adapter für die Maschinen anfertigen lassen. "Da kommen die Leute mit Speichenrädern sogar aus Nürnberg und wollen eine neue Felge haben. Dabei reicht es oft völlig, sie vernünftig auszuwuchten.“ Nicht nur bei den Maschinen und Gummimischungen hat die moderne Technik im Oldtimer- Reifenhandel Einzug gehalten. Seit drei Jahren verkauft Schaal Reifen auch im Internet. Anfangs hat er sich dagegen gesträubt. Schließlich brauche der Kunde Beratung. Doch es gebe eben auch eine Gruppe, die darauf verzichtet. Dennoch läuft das Geschäft überwiegend offline. Vor billigen Online-Anbietern hat Schaal keine Angst. Dabei versuchten diese teilweise, in die Nische zu drücken, weil sie sich mit den Oldtimer- Reifen ein besseres Geschäft versprechen. Zu seiner Beruhigung trägt auch bei, dass er einige große Marken exklusiv vertreibt. Zahlen zu seinem Betrieb wie Umsatz, Absatz oder gar Gewinn will Schaal nicht nennen. Aber schlecht scheint es nicht zu laufen, wenn man hört, wie er mit einem Lächeln sagt: "Ich bin nicht unzufrieden.“