Wer wird bei Volkswagen dereinst Martin Winterkorn an der Konzernspitze beerben? Auch wenn diese Frage nicht akut beantwortet werden muss – Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch erfreut sich offensichtlich guter Gesundheit –, droht die Unsicherheit darüber das Unternehmen zu lähmen. Wie geht es 2016 weiter, wenn Martin Winterkorn in den Aufsichtsrat rückt und dort Piëch ablöst? Wird man überhaupt jemanden finden, der das Arbeits- und Leistungspensum des amtierenden VW-Chefs übernehmen kann und will? Der mit dem Lackauftrag genauso vertraut ist wie mit unterschiedlichen Glanzgraden von Oberflächen, mit der Elektrochemie in Batterien und dem Einlenkverhalten der Vorderachse? Der ein Weltreich von über 100 Werken und zwölf Marken überblickt? Der bereit ist, an 200 bis 300 Tagen im Jahr aus dem Koffer zu leben? Der das Vertrauen der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch hat? In VW-Aufsichtsratskreisen hält man es mittlerweile für schwierig bis unmöglich, so jemanden zu finden.
Zumal alle bisher aufgerufenen Kandidaten, von Karl-Thomas Neumann bis Wolfgang Dürheimer, schon beim Warmlaufen aussortiert wurden – aus zum Teil nicht nachvollziehbaren Gründen. Deshalb drängt sich derzeit auch niemand für den Job in den Vordergrund. Was kann also die Lösung sein? Eine Möglichkeit wäre die Aufteilung des Konzerns in Marken- oder Produktgruppen – und damit die Verteilung der Herkulesaufgabe auf mehrere Schultern. Doch das hatte Ferdinand Piëch bereits 2002 versucht – mit mäßigem Erfolg. Deshalb ist Winterkorn von dieser Idee auch wenig begeistert. Also geht die Suche nach einem angemessenen Nachfolger weiter. „Bei VW wächst nur dort das Gras, wo ich hinschaue“, wird der VW-Chef zitiert. Statt jemanden zu suchen, der seine Augen überall hat, wäre es da nicht sinnvoller, das Gras auch dort wachsen zu lassen, wo der Chef gerade nicht hinschaut, also Verantwortung nach unter zu delegieren? Dann müsste der neue VW-Chef auch kein Übermensch mehr sein. Ein guter Ingenieur mit betriebswirtschaftlicher Vorbildung und dem Gespür für Marken und Märkte täte es dann auch. Davon soll es in- und außerhalb des VW-Konzerns einige geben …Klartext
Gesucht: VW-Chef mit 1000 Augen
Die Frage ist zwar nicht akut, aber dennoch droht die Unsicherheit über eine mögliche Nachfolge von Martin Winterkorn als Konzernchef ab 2016 das Unternehmen zu lähmen. Wird man bei Volkswagen überhaupt jemanden finden, der das Arbeits- und Leistungspensum des amtierenden VW-Chefs übernehmen kann und will?