Weiden. Auch eine andere finanzielle Belastung geht die Weidener Werkstattkette an: Die Zinszahlungen von mehr als 60 Millionen für die Anleihen. Im Geschäftsbericht wird das Ziel eines teilweisen Debt Equity Swaps – also der Umwandlung von Fremdkapital in Eigenkapital – und die Zuführung weiteren Eigenkapitals erstmals bestätigt. Dies wird künftige Bilanzen aufpolieren. Entsprechend kündigt ATU für das Geschäftsjahr 2014/2015 den Breakeven an. Unternehmenskreisen zufolge könnte es sogar ein Jahr früher so weit sein. Helfen sollen dabei auch weitere Sparanstrengungen. Unter anderem will ATU seine Kosten beim Teileeinkauf weiter drücken, wie Geschäftsleitungsmitglied Christian Schmitz erläutert. „Schon jetzt erreichen wir durch die Beschaffung gute Margen, weil wir durch den Direkteinkauf beim Teilehersteller zum größten Teil die Zwischenhandelsstufe vermeiden können“, erklärt er im Geschäftsbericht. „Um in Zukunft noch bessere Konditionen zu erzielen, werden wir uns verstärkt bei Auftragsfertigern der Markenhersteller in Asien umschauen.“ Zugleich werde man vermehrt auf Eigenmarken wie Regium setzen. Mithilfe der neuen finanziellen Spielräume will ATU auch in die technische Ausstattung seiner Filialen investieren. Sie sollen mit modernen Diagnosegeräten ausgestattet werden, „um auch neue Fahrzeuge auf dem neuesten technischen Stand analysieren, warten und reparieren zu können“, wie Schmitz sagt. „Hierfür, aber auch für kompliziertere Reparaturen wie Turbolader oder Klimaanlagen und für besseren Service wollen wir unsere Mitarbeiter verstärkt schulen.“ Im Vergleich zu Ende 2011 hat ATU allerdings rund 1900 Mitarbeiter weniger. Das operative Geschäft von Deutschlands größter Werkstattkette ist noch immer stark unter Druck, der Start ins neue Geschäftsjahr verlief holprig. Die Umsätze gingen dem Bericht für das erste Geschäftsquartal zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent zurück, das operative Ergebnis (EBITDA) sank um 97,6 Prozent auf 0,3 Millionen Euro. Ein Lichtblick für die Weidener dürften die jüngsten Werkstatttests sein. Unter anderem beim ADAC hatte ATU gut abgeschnitten. „Unsere Arbeit hat sich verbessert“, sagt Schmitz. Die Kunden würden dies honorieren.
ATU befreit sich von Altlasten
Die Werkstattkette Auto- Teile-Unger (ATU) räumt in der Bilanz auf und macht sich hübsch für den künftigen Haupteigner Centerbridge. ATU hat zwar im Geschäftsjahr 2012/2013 (per Ende Juni) bei 1,16 Milliarden Euro Umsatz einen Verlust nach Steuern von 517 Millionen eingefahren, wie es im nicht öffentlichen Geschäftsbericht heißt, der der Automobilwoche vorliegt. Der Großteil des Verlusts – 447,8 Millionen Euro – entfällt aber auf eine Abschreibung auf „Geschäfts- oder Firmenwert und Markenrechte“, wie es im Bericht lautet. 379,2 Millionen davon wurden außerplanmäßig abgeschrieben. Damit entledigt sich ATU auf einen Schlag der seit Jahren laufenden Abschreibungen, die die Bilanzen per annum mit 68,5 Millionen Euro belasteten.