München. „Wir möchten fünf bis zehn Jahre vorausdenken“, sagt Olaf Biedermann. Zudem, so betont der Leiter Innovation Europa bei Faurecia und Chef von dWorks, muss alles sehr schnell gehen: Von der ersten Idee bis zur Präsentation eines funktions- und showfähigen Musters soll weniger als ein Jahr vergehen. Projekte der übrigen Thinktanks hätten gezeigt, dass dieser Rahmen realistisch ist. Dazu sollen sechs bis sieben Designer, Ingenieure und Marketingexperten von dWorks zum einen globale Megatrends auf ihre Auswirkungen für Pkw-Sitze herunterbrechen und zum anderen in Kundenbefragungen herausfinden, was die Autoinsassen wirklich möchten. Ein Pfeiler der Arbeit von dWorks ist der „Open Innovation Process“: Bei Hochschulen, Startups wie auch etablieren Unternehmen sollen Technologien gefunden werden, die in Pkw-Sitzen gewinnbringend einzusetzen sind. Dass München dafür ein optimales Umfeld biete, sei neben der Nähe zu Schlüsselkunden ein Argument für diesen Standort gewesen.
Ideenschmiede für den Sitz
Der Zulieferer sucht auch abseits der Autobranche sehr gezielt nach Technologien, die die Sitzeentwicklung bereichern können. Die regionale Verankerung der Thinktanks sei wichtig, da die Kunden auf den verschiedenen Märkten teilweise stark abweichende Bedürfnisse hätten, betont Biedermann. Beispielsweise müssten Massagefunktionen für Europäer und Asiaten sehr unterschiedlich ausgelegt werden. Und in China würden fast drei Viertel der Kunden die Sitze mit Schonbezügen überziehen. Zu den Ergebnissen der schon etablierten Ideenschmieden zählt der futuristisch anmutende Performance Seat, der unter anderem ohne Schaumstoffpolster auskommt, sich selbsttätig der Körperform der Insassen anpasst und 20 Prozent Gewicht sparen soll. Sehr von den Bedürfnissen des Premiummarkts in China inspiriert – und daher auch wesentlich mit Ideen von EastWorks versehen – entwickelte Faurecia den Luxussitz Oasis, wie Chefdesigner Andreas Wlasak erläutert. Auf der IAA präsentiert der Zulieferer diesen Sitz erstmals in Europa. Die Entwicklung bietet vermutlich mehr Verstellmöglichkeiten als die First-Class-Bestuhlung in Flugzeugen und ist für den Fond konzipiert, wo der Autobesitzer entspannen oder arbeiten möchte, während sein Fahrer lenkt.