London. Ein Schlüssel zum Erfolg ist das Plus von 16 Prozent auf dem Privatmarkt, getrieben von attraktiven Finanzierungsangeboten dank niedriger Zinssätze. Bei Citroën würden 85 Prozent aller Neuwagen finanziert, sagt Linda Jackson, Citroën-Chefin in Großbritannien und Irland. Bei der BMW-Tochter Mini sind es 80 Prozent, bei Ford 70 Prozent. Nirgendwo sonst auf der Welt kaufen so viele Ford- Kunden ihr Auto auf Pump. Auf der Insel finanziert man anders als im Rest Europas: Viele Fahrzeuge werden über den sogenannten persönlichen Vertragskauf erworben – zu günstigeren monatlichen Raten, weil der Wertverlust finanziert wird, nicht der Fahrzeugpreis. Dabei profitierten die Kunden von den Restwertprognosen, die heute konservativer seien als im Krisenjahr 2009, sagt der britische Ford-Verkaufschef Andy Barratt: „Wenn die Kunden ihr altes Auto abgeben, haben sie Kapital für die Anzahlung eines neuen Autos übrig.“
Die Seligen auf der Insel
Ein weiterer Faktor: Viele Briten haben überraschende Zahlungen ihrer Bank als Entschädigung für Zahlungsschutzversicherungen erhalten, die sie vor dem Crash abgeschlossen hatten. Im Durchschnitt bekommt jeder Kunde zwischen 2000 und 3000 Pfund. „Eine typische Anzahlung für ein neues Auto“, sagt BMW-Chef Abbott. Das Absatzplus werde nicht durch Rabatte künstlich befeuert, versichert ein Branchenvertreter: „Wir haben unsere Lektion gelernt“, meint BMW-Chef Abbott, der 2013 zum SMMT-Präsidenten gewählt wurde. Der britische Renault-Chef Ken Ramirez sieht das etwas anders. „Das Wachstum des Markts ist uneinheitlich und hat nicht zwangsläufig mit der Nachfrage zu tun“, sagte er der Automobilwoche- Schwesterzeitung Automotive News Europe und verwies auf verbilligte Verkäufe an Mietwagenfirmen, die den Markt verzerren könnten. Renault lege allerdings vornehmlich im Privatkundengeschäft zu. Eine Rückkehr zu den britischen Spitzenwerten der Jahre 2003 und 2004, als 2,6 Millionen Fahrzeuge verkauft wurden, gilt in der näheren Zukunft aber als unwahrscheinlich. „Ein großer Teil des damaligen Wachstums wurde künstlich von den Herstellern erzeugt“, sagt Ford-Verkaufschef Barratt. „Das ist heute anders, wir wollen natürlich wachsen.“