Frankfurt.Die Jahresproduktion ist schon im September ausverkauft, der Aktienkurs schießt durch die Decke und mit dem Sprung nach Europa soll die Erfolgsgeschichte von Tesla weitergehen. Doch auf der IAA ist vom Höhenflug des Elektro-Autobauers nichts zu sehen: Gerade mal zwei Wagen hat der Konzern von Unternehmer-Ikone Elon Musk in Frankfurt auf seinen winzigen Stand gefahren. Doch als Hinweis auf gestutzte Europa-Ambitionen seines einzigen Serien-Autos will Jerome Guillen das minimalistische Aufgebot nicht verstanden wissen. "Wir wollen lieber in unsere Infrastruktur und unser Servicenetz investieren", sagte Teslas Model-S-Chef der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Dienstag.
Ende nächsten Jahres will der Hersteller Schnelllade-Stationen an Europas wichtigsten Autostrecken installiert haben, damit seine Elektro-Autos mit ihren 500 Kilometern Reichweite zumindest Mitteleuropa ohne übermäßig lange Ladepausen durchqueren können. In mehreren Metropolen wie Berlin, Hamburg oder London sollen noch dieses Jahr Servicestationen eröffnen. Und während der einstige Konkurrent Fisker ins Bodenlose gestürzt ist, macht Tesla inzwischen sogar Gewinn. Für Guillen ein Erfolg mit Strahlkraft: "Wir haben bewiesen, dass man mit Elektroautos keine Verluste machen muss."Und die Branche spendet Applaus: "Ich freue mich über den Erfolg von Tesla", sagt BMW-Chef Norbert Reithofer, der in den nächsten Monaten sein prestigeträchtiges Elektro-Projekt i3 auf den Markt bringt. Von großer Rivalität zwischen dem US-Elektropionier und den etablierten Autobauern ist nichts zu sehen. Ein Grund: Solange der Markt für Elektrofahrzeuge noch in den Kinderschuhen steckt, hilft jeder verkaufte Wagen mit Batterieantrieb allen Herstellern, um die Sichtbarkeit der Stromer zu erhöhen.Außerdem ist Teslas Model S für die Elektro-Strategie der deutschen Platzhirsche vorerst keine echte Bedrohung. "Einem Auto wie der Mercedes S-Klasse 500 als Plug-in-Hybrid nimmt das Model S nicht die Butter vom Brot", sagt Analyst Christoph Stürmer von IHS Automotive. Auch BMW muss sich vor dem bisher einzigen Serienmodell der Amerikaner nicht fürchten. "Der i3 oder der i8 sind keine funktionale Konkurrenz zum Model S - das wäre eher ein i5", sagt Stürmer.Aber wie nachhaltig ist Teslas Entwicklung? Die Amerikaner verdienen mit ihren geringen Stückzahlen schon Geld. Aber das Wachstum stößt bereits an sein Grenzen, denn die Produktionskapazität kann nicht mit der Nachfrage mithalten. Mehr als 21.000 Autos kann das Unternehmen in diesem Jahr nicht bauen - und die sind laut Guillen alle schon verkauft. Auf entsprechend lange Wartezeiten müssen sich Kunden in Europa einstellen. Solche Engpässe sieht etwa Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler kritisch.Zwar spricht auch Tesla davon, dass das Unternehmen seine Kapazitäten aufstocken muss - gerade weil es in drei bis vier Jahren ein kompakteres und deutlich günstigeres Schwestermodell auf den Markt bringen will, das den Absatz kräftig nach oben schrauben soll. Doch wann und in welchem Umfang das geschehen könnte, dazu äußerte sich Guillen auf der IAA nicht. Man mache keine Fünf-Jahres-Pläne, sagte er. Doch an eben solchen langfristigen Vorgaben dürften die Investoren sehr interessiert sein. Und so bewertet Analyst Pieper den Höhenflug der Tesla-Aktien ausgesprochen skeptisch. Er sieht einen "echten Hype, jenseits aller Rationalität". Seit März hat sich der Kurs der Papiere auf rund 160 US-Dollar beinahe verfünffacht.Unabhängig von der Nachhaltigkeit dieser rasanten Entwicklung hat Tesla der Elektrobranche damit einen kräftigen Aufmerksamkeitsschub verpasst. Vielleicht gerade weil die Wagen nicht von einem der etablierten Autobauer kommen, sondern aus der kalifornischen Technologie-Schmiede Palo Alto im Silicon Valley. Und genau dieser Schub sei auch ein erklärtes Ziel von Tesla gewesen, betont Guillen. Außerdem erschließen sich die Amerikaner inzwischen neue Geschäftsfelder: So rüstet Tesla künftig etwa die elektrische Variante der Mercedes-B-Klasse vom Partner Daimler aus und profitiert auf diesem Weg auch vom Erfolg etablierter Hersteller. (dpa-AFX/gem)IAA
Tesla zwischen Hype und Hoffnungsträger
Der Elektroauto-Pionier ist auf der IAA in Frankfurt mit einem erstaunlich kleinen Stand vertreten. Den Grund dafür nannte Teslas Model S-Chef Jerome Guillen am Dienstag.