Ostfildern. Nein, eine konkrete Restwertprognose für den i3 gibt es noch nicht. Wie auch, schließlich ist noch nicht einmal die genaue Preisliste bekannt, geschweige denn Werte wie Verbrauch, Versicherungs- und Wartungskosten. All diese Daten fließen ein, wenn die DAT Restwerte für Elektroautos berechnet. Wer sich einen Gebrauchtwagen kauft, tut das oft, weil er sich ein neues Auto nicht leisten kann, sagt Siegfried Trede, Chef der DAT-Marktbeobachtung. Deswegen geht man auch bei Elektroautos für die erste Prognose der Restwerte von einem Ansatz aus, der sich vor allem auf die Sparmöglichkeiten stützt, die ein Gebrauchter bietet. „Wenn sich jemand so ein teures Auto gebraucht kauft, will er ja Geld sparen“, sagt Trede.
Der sehr grob zusammengefasste Ablauf der Prognose ist in etwa dieser: Man sucht ein passendes Vergleichsfahrzeug mit Verbrennungsmotor. Bei der PS-Zahl gibt es einen Bonus zugunsten des E-Autos, weil die Leistungscharakteristik der Stromer günstiger ist. Auch Imagewerte und Qualität des zu bewertenden Wagens müssen zum Vergleichsobjekt passen. Im Falle des i3 könnte dies der Mini Paceman Cooper S mit Steptronic als stark motorisiertes Auto aus dem Premiumbereich sein, sagt Trede.Am Restwert dieses Autos orientieren sich die DAT-Experten, um der Wertstabilität des Elektroautos Schritt für Schritt näher zu kommen. Beim Mini sind das beispielsweise nach drei Jahren bei einer Jahreslaufleistung von 15.000 Kilometern ein Händlerverkaufspreis von 16.714 Euro oder 57,4 Prozent des Listenpreises. Ein sehr guter Wert, wie Trede betont. Davon wird im Fall eines reinen Elektroautos ein Korrekturfaktor von fünf Prozent für die Einschränkung bei der Reichweite abgezogen. Auf diesen Wert schlägt die DAT dann die Summe auf, die ein Käufer in den nächsten drei Jahren gegenüber dem Vergleichsauto an Betriebskosten spart. Weil Strom billiger ist als Benzin und Autos mit Elektromotoren geschätzt 20 bis 30 Prozent weniger Wartung brauchen. Auch höhere oder geringere Versicherungskosten fließen ein.Würde man nun einen fiktiven und eher hohen Wert von 100 Euro monatliche Betriebskostenersparnis beim i3 ansetzen, käme man nach dem Korrekturfaktor für die Reichweiteneinschränkung bei rund 19.500 Euro als Restwert für den Stromer heraus. Bei einem Neupreis von rund 36.000 Euro, wie er für den i3 ohne Range Extender nach Informationen der Automobilwoche zu erwarten ist, wäre das eine Restwertquote von 54,1 Prozent. Für die Variante mit Range Extender, die rund 40.000 kosten soll, ergäben sich gut 50 Prozent. Doch fällt die Betriebskostenersparnis niedriger aus, sinkt die Restwertprognose schnell. Zehn Euro mehr oder weniger pro Monat machen rund einen Prozentpunkt aus.Im Lager der Elektroautos müsste sich der i3 mit all diesen Werten nicht verstecken. Denn die neue Technologie schneidet beim Wiederverkaufswert laut Trede bisher eher schwach ab. Manches Fahrzeug hat nach 36 Monaten und 45.000 Kilometern nur noch etwas mehr als 40 Prozent seines anfänglichen Werts. Auch das sind allerdings bislang nur Prognosen, denn einen breiten Markt für gebrauchte, drei Jahre alte Elektroautos gibt es noch nicht. Die bislang messbaren Marktpreise für gebrauchte Stromer sind zwar etwas besser als prognostiziert. Angesichts des sehr geringen Angebots könnte es hier aber Verzerrungen nach oben geben, sagt Trede.Die zweite Besonderheit des i3, die Bauweise aus Carbon, fließt übrigens nicht in die Restwertprognose ein. Trede geht davon aus, dass sie keine größeren Auswirkungen auf Wartungs- und Versicherungskosten hat. Zwar senke das geringere Gewicht den Energieverbrauch. Bei den Betriebskosten und damit dem Ergebnis der Prognose schlage sich das aber nur minimal nieder.Serie BMWi: Der große Unsicherheitsfaktor Wertstabilität
Vier Monate vor dem Start des BMW Elektroautos i3 sind weder die genauen Preise bekannt noch Werte wie Verbrauch, Versicherungs- und Wartungskosten – alles Informationen, die für eine konkrete Restwertprognose erforderlich sind.