München. Porsche hat jüngst als nach eigenen Angaben erster Automobilhersteller bei Prototypen einer kompletten Baustufe zahlreiche Bauteile mit RFID-Transpondern ausgestattet. Damit, so heißt es bei dem Zuffenhausener Hersteller herrsche nun bis auf die Bauteilebene vollkommene Transparenz. So werde automatischer Abgleich der Daten von realen und virtuellen Prototypen möglich. Auf dieses Ergebnis hingearbeitet haben die Porsche-Entwickler seit 2007 – zunächst allein, dann mit Unterstützung der Beratungstochter Mieschke Hofmann und Partner (MHP) und schließlich auch im Arbeitskreis "gläserner Prototyp", in dem sich 2010 auf Porsche-Initiative einige deutsche Automobilhersteller zusammenschlossen.
Denn die Probleme waren für alle Hersteller gleich: Im Erprobungsstadium werden die Fahrzeuge und einzelne Bauteile ständig weiter optimiert. In diesem Prozess exakt den Überblick zu behalten, welche Bauteilversionen in einem konkreten Prototyen enthalten sind und wie sie sich bewähren, ist enorm aufwendig, wenn man nur manuelle Dokumentationen einsetzt. Bekommt jedes der wichtigen Bauteile ein RFID-Label, lässt sich dagegen draht- und berührungslos sehr schnell eine komplette Bauteilübersicht erstellen. Mercedes-Benz als Mitglied des Arbeitskreises zeigte sich damals noch enthusiastisch: Die ersten Ergebnisse seien so vielversprechend, "dass mit dem schrittweisen Einsatz im Prototypenbau der künftigen ML-Klasse begonnen wurde. Weitere Baureihen werden in den kommenden Jahren folgen." Daimler hat sich allerdings mittlerweile von diesem Ansatz verabschiedet. Es habe sich damals um ein Forschungsthema gehandelt, das nicht weiter verfolgt werde, erläuterte ein Unternehmenssprecher der Automobilwoche.