München. Glaubt man dem Start-up-Unternehmen aus Shanghai mit seinem Design- und Entwicklungszentrum in München, dann rollen schon bald Fahrzeuge vom Band, die es mit europäischen Marken aufnehmen können. „Wir bieten westlichen Qualitätsstandard. Das gilt auch für die Crashtests“, sagt Qoros-Chef Volker Steinwascher, ein ehemaliger VW-Manager. Er verspricht Höchstwerte bei den europäischen Sicherheitsanforderungen. Für die Optik der Qoros-Fahrzeuge zeichnet Ex-Mini-Designchef Gert-Volker Hildebrand verantwortlich. Sein Credo: deutsche Formensprache, klare Linien. Drei Modelle – ein Stufenheck, ein Kombi und die Studie eines Crossover – feierten bereits ihr Debüt im März auf dem Genfer Salon. Aus der Branche gab es viel Lob. Unisono hieß es: Respekt, ein Auto in dieser kurzen Zeit und in dieser Qualität zu entwickeln. Und dies mit damals nicht einmal 100 Mitarbeitern. Heute sind es mehr als zehnmal so viele. Schon Ende des Jahres soll das Geschäft mit der Mittelklasselimousine Qoros 3 Sedan auf dem Heimatmarkt anlaufen. Produziert werden die Autos in Changshu, etwa hundert Kilometer nördlich von Shanghai. In zwei Jahren will man eine Fertigungskapazität von jährlich 150.000 Einheiten erreichen. Für 2014 plant Vorstandschef Guo Qian den Sprung in den Mittleren Osten sowie nach Europa. In Deutschland soll der Qoros 3 Sedan weniger als 20.000 Euro kosten. Vier weitere Modelle will Qoros in kurzen Abständen nachschieben: die Schrägheckvariante (Hatchback) und ein davon abgeleitetes Crossover-Derivat. Es folgen SUV und Kombi. Letzterer soll ausschließlich in Europa angeboten werden.
Mittelklassekombis haben in Deutschland am Modellmix einen Anteil von teils über 80 Prozent. Ausbauen will man noch das Motorenprogramm. Derzeit sind nur zwei Vierzylinder-Benziner im Angebot, entwickelt von Qoros auf Basis einer Vorentwicklung des Spezialisten AVL aus Österreich. Ein Dieselaggregat und ein Turbo-Benzindirekteinspritzer befinden sich ebenso in der Entwicklung wie ein kleiner Dreizylinder-Benziner. Qoros lässt offen, in welchem Modell der 1,2-Liter-Motor sein Debüt haben wird. Gut möglich, dass er für den Hybridantrieb im Crossover zum Einsatz kommt. Schon ab Marktstart können die Chinesen ihren Kunden ein Doppelkupplungsgetriebe anbieten. Österreich ist auch beim Innenleben der chinesischen Limousine involviert. Bei Magna in Graz entwickelten Qoros-Ingenieure das Cockpit. Ziel war es, bei der Qualität auf Augenhöhe mit der etablierten Konkurrenz zu agieren. Eine Besonderheit ließ sich der chinesische Hersteller beim Thema Multimedia einfallen. Entertainment- Inhalte müssen nicht mehr im Auto gespeichert werden, sondern lagern auf Servern in der Cloud. Das System mit dem Namen „QorosCloud“ wurde mit dem Software-Riesen Microsoft entwickelt und deckt bereits China, später Europa ab. Qoros verbaut diese Microsoft-Plattform (Windows Azure Cloud) serienmäßig in jedes seiner Modelle. Ebenso den acht Zoll großen Touchscreen. Ziel ist es, damit ein vorwiegend junges Käuferpublikum zu erreichen. Ein Qoros-Sprecher sieht es ganz unbescheiden als „das nutzerfreundlichste und cleverste System, das derzeit in der Autoindustrie angeboten wird“.Reichlich Neues aus dem Reich der Mitte
Bislang werden chinesische Autos eher mit schlechter als mit guter Qualität verbunden, und das hat Gründe. Landwind und Brilliance scheiterten einst an der Crash-Barriere. Und in Tests deutscher Motorzeitschriften kommen China-Flitzer schlecht weg, jüngst fällte die Auto-Bild über neun Modelle aus chinesischer Produktion ein vernichtendes Urteil. Die Marke Qoros will nun dafür sorgen, dass Image und Testergebnisse chinesischer Autos besser werden.