München. Erhebliche Einsparungen in der Logistik kann sich die Autoindustrie von den Erkenntnissen des Forschungsprojekts RFID-based Automotive Network (RAN) erhoffen. Durch stabilere und transparentere Lieferketten könnten auf allen Stufen Sicherheitsbestände sowie die Zahl der Transportbehälter reduziert werden. Bislang verschwinden Zulieferteile oft nach dem Lieferabruf in einer Art „schwarzem Loch“, aus dem sie erst mit dem Eintreffen beim Kunden wieder auftauchen. Mit den im RAN-Projekt erarbeiteten Standards ist nun eine sehr detaillierte Verfolgung möglich: Ladungsträger oder Teile werden mit RFIDLabels, den sogenannten RFIDTags, versehen. Die darauf gespeicherten Informationen lassen sich berührungslos und automatisch über eine Distanz von mehreren Metern auslesen.
Jedes Mal, wenn das Teil eine der automatischen Lesestationen passiert, wird es registriert. Die Daten fließen in einen sogenannten Infobroker, aus dem Kunde, Zulieferer oder Logistiker die Information bekommen, wo sich das Teil aktuell befindet. So wird es möglich, Sicherheitsbestände zu reduzieren, weil man beim Auftreten von Problemen auf dem Transportweg schneller gegensteuern kann. Auch die Zahl der Ladungsträger im Umlauf soll durch mehr Transparenz sinken. Denn künftig lässt sich klar erkennen, wo Ladungsträger länger herumstehen als nötig. Daimler etwa will im ersten Schritt die Zahl der Ladungsträger im Umlauf zwischen Deutschland und dem US-Werk Tuscaloosa um zehn Prozent reduzieren, wodurch 2000 der je 600 Euro teuren Träger für Motoren eingespart werden könnten.RAN an die Logistikkosten
Den Optimierungsansatz spielten 18 Autohersteller, Zulieferer, Logistiker, IT-Unternehmen und Institute im RAN-Projekt für die verschiedensten Lieferketten und Szenarien durch. Bosch beispielsweise weitete die zuvor nur interne RFID-Lösung aus dem Werk Homburg bis ans Band eines Autoherstellers aus und kann nun genau erkennen, wann die Bauteile am Band verbaut werden. Kernstück des RAN-Ansatzes ist die Standardisierung, die einen ungehinderten Datenfluss ermöglicht. Definiert wurde dafür der Infobroker – ein Software-Gerüst, welches Daten der RFID-Tags sammelt und auswertet. Auf Basis des Infobrokers können Unternehmen konkrete Software-Lösungen entwickeln. Abgeschlossen wurde das 46 Millionen Euro teure Projekt Ende 2012, Ergebnisse werden 2013 veröffentlicht. Auch ein Leitfaden für „Einsteiger“ liegt vor. Ein neuer Arbeitskreis des VDA wird die im Rahmen des Projekts entwickelten RAN-Standards mit den VDA-Mitgliedern abstimmen. Man hofft, damit einen internationalen Standard zu setzen. Etablieren soll sich die neue Logistik-Welt nun schrittweise. Weil der RAN-Ansatz seine Vorteile nur entfalten kann, wenn sich ausreichend viele Unternehmen der Lieferkette beteiligen, dürften die Autohersteller und Zulieferer ersten Ranges Wert darauf legen, dass sich ihre Lieferanten in das System integrieren.