Manche Probleme, die Volkswagen hat, hätten viele Autohersteller gerne: Einige Werke können nicht genügend Autos produzieren, um die hohe Nachfrage zu befriedigen. Während in anderen Konzernen die Produktion gedrosselt und Schichten gestrichen werden, klagt der VW-Betriebsrat über unnötigen Stillstand der Bänder, wodurch Sonderschichten notwendig sind. Dieser Engpass zeigt zwar die Stärke der VW-Produkte, aber auch die Schwäche in der Organisation. Denn die Fertigung hinkt hinter den Planzahlen her. So werden in Wolfsburg die für 2014 geplanten 850.000 Golf, Sportsvan, Touran und Tiguan wohl nicht erreicht werden. Wer heute einen Golf Variant aus Zwickau bestellt, wird in diesem Jahr keinen mehr bekommen. Das ist dann auch ein Grund, weshalb sich Produktionschef Michael Macht nicht halten konnte. Er musste die weltweit mehr als 100 Werke des Konzerns im Blick haben, ohne die Werkzeugwechselzeiten im Rohbau in Mosel aus den Augen zu verlieren.
Doch der Job des Produktionschefs war bei VW auch ohne solche Detailprobleme schon immer ein Schleudersitz: Es ist eben nicht gerade einfach, die Produktivität zu erhöhen, ohne dem mächtigen Betriebsrat auf die Füße zu steigen. Dabei wächst der Leidensdruck im Unternehmen: Auf gerade noch 2,1 Prozent operative Rendite kam die Kernmarke Volkswagen zuletzt. Da kommt selbst Peugeot mit 1,7 Prozent immer näher. Und dort sind die Wartezeiten auf neue Autos nicht sehr lang, mithin die Rabatte deutlich höher. Nun ist es enorm schwer, mit einer Volumenmarke in Europa profitabel zu sein. Und VW baut viele Autos auch noch am teuersten Industriestandort des Kontinents mit den höchsten Energie- und Lohnkosten. Aber was hilft es: Wer in Deutschland fertigt, der braucht eben eine höhere Produktivität und muss zudem für seine Produkte ein Preispremium erheben können. Letzteres gelingt VW, Ersteres noch nicht. Nissan in Sunderland schraubt ein Qashqai- Kompakt-SUV fast doppelt so schnell zusammen wie das VW-Werk Wolfsburg einen Tiguan. Kein schönes Ergebnis für eine Marke, die sonst gern überall Erster ist.