Wien. Die heimische Marke Lada, die schon bald von Renault-Nissan kontrolliert werden wird, ist mit rund 15 Prozent Anteil der unangefochtene Marktführer. Die Renault- Nissan-Allianz ist von allen westlichen Autofirmen in Russland am breitesten aufgestellt und unter anderem mit 67,1 Prozent am Joint Venture Alliance Rostec Auto beteiligt. Den Rest hält die russische Staatsholding Rostechnologii. Dieses Joint Venture soll im Sommer die Übernahme von 74,5 Prozent des Lada-Herstellers AvtoVAZ abschließen. Die neue Allianz will ihren Marktanteil in wenigen Jahren von den heutigen 31 auf 40 Prozent erhöhen. Hyundai-Kia und der Volkswagen- Konzern folgen als weitere starke Spieler. VW betreibt ein Autowerk in Kaluga und lässt außerdem drei Modelle bei GAZ in Nischni Nowgorod fertigen. Die in Deutschland unbekannte Polo- Stufenheckversion ist das meistverkaufte Modell des Wolfsburger Konzerns in Russland. Aktuell liegen Crossover- und SUV-Modelle im Trend. „Crossover ist der Traum aller russischen Kunden. In der Ukraine und anderen GUS-Ländern ist es genauso“, sagt Bruno Ancelin, Senior Vice President von Renault und Chairman der Region Eurasien. BMW lässt mehrere Modelle beim Hersteller Avtotor in Kaliningrad aus SKD-Sätzen montieren, VW betreibt die SKD-Montage einiger Audi-Modelle in Kaluga. Auch Daimler erwägt eine russische Pkw-Montage. Avtotor errichtet aktuell mehrere Montagewerke für verschiedene Marken. Beim offiziellen Baubeginn im Oktober 2013 sagte Avtotor-Chairman Wladimir Schtscherbakow, das erste Werk sei für BMW bestimmt, die Bayern seien mit 50 Prozent an den Kosten der Erdarbeiten beteiligt. Im April erklärte Avtotor-Präsident Walerij Draganow, dass der Vertrag mit BMW über ein neues Werk bereits unterzeichnet wurde. „Wir können bestätigen, dass wir mit unserem Auftragsfertiger Avtotor in Verhandlungen über die weitere Produktion in Russland stehen“, teilte BMW der Automobilwoche mit, ohne sich zu weiteren Details zu äußern. Unter den 15 meistverkauften Modellen finden sich zehn Pkw ausländischer Marken, die alle in Russland gebaut werden. Das verdeutlicht, wie stark die führenden ausländischen Autohersteller bereits in Russland integriert sind.
Renault-Nissan macht in Russland Tempo
Doch mehrere Autohersteller, die sich in Verträgen mit der Regierung im Austausch gegen Einfuhrerleichterungen zu einem bestimmten Anteil lokaler Teile verpflichtet haben, melden Probleme. Die Lokalisierung schreitet nicht so schnell wie erwartet voran. Viele russische Zulieferer scheitern an den Ansprüchen westlicher Firmen. Ausländische Zulieferer wiederum haben oft das Problem, dass die in Russland produzierten Komponenten teurer als jene aus dem EU-Raum sind. Volkswagen arbeitet in Russland mit rund 60 lokal produzierenden Zulieferern, doch in mehr als 90 Prozent der Fälle handelt es sich um große globale Player, erklärte Frank Haase, Einkaufsdirektor der Volkswagen Group Rus, vor Kurzem auf einer Konferenz. Es gebe darunter „nur eine Handvoll rein russische Teilehersteller“, so Haase. Durch die Rubel-Entwertung der letzten zwölf Monate wird die Lokalisierung noch wichtiger, denn sie lässt Importe teurer werden. Obwohl Renault zu den Autoherstellern mit dem höchsten Lokalanteil gehört, „leiden wir unter den steigenden Preisen für Teile, die aus Europa kommen“, sagt Renault-Russland- Chef Ancelin. Der Allianz von Renault, Nissan und AvtoVAZ stehen vier Werke zur Verfügung, sodass Marken, Plattformen und Standorte wie etwa beim neuen Datsun On-DO kombiniert werden können. Das kleine Stufenheckauto basiert auf einer Lada-Plattform und entsteht bei AvtoVAZ. Weitere Datsun- Modelle folgen später. „Der Lokalanteil wird dank der Zusammenarbeit mit AvtoVAZ sehr hoch sein“, so Renault- und Nissan- Chef Carlos Ghosn.
Die Lada-Connection ermöglicht Renault-Nissan auch einen günstigen Einstieg in die Motorenproduktion: Vier westliche Hersteller haben sich verpflichtet, mindestens 30 Prozent der in Russland produzierten Autos mit lokal gebauten Motoren auszurüsten. Zuvor hatte keine ausländische Autofirma ein Motorenwerk in Russland errichtet. Während Renault AvtoVAZ nutzt und dort bereits seit 2013 auch eigene Triebwerke fertigen lässt, bauen Volkswagen und Ford Sollers gerade ihre Motorenwerke in Kaluga beziehungsweise Jelabuga. Für General Motors wiederum wird ein indischer Zulieferer französische PSA-Motoren in Russland in Lizenz produzieren.