Die vielen „Wohltaten“, die Brüssel in den vergangenen Jahren über die Automobilbranche ausgeschüttet hat, vom Fußgängerschutz über die CO2-Regulierung bis hin zur eCall-Zwangsvernetzung, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als blanker Industrie- Lobbyismus. Nur werden diese Geschäftsbesorgungspläne für einzelne Unternehmen oder Teile der Branche natürlich lieber im Mantel des Umweltschutzes, der Verkehrssicherheit oder des allgemeinen Fortschritts präsentiert, damit die schöne neue Regelwelt nicht allzu auffällig nach Lobbyismus riecht – der ja in der Öffentlichkeit verpönt ist. Erfolgreich ist diese verdeckte Einflussnahme umso mehr: Wenn im EU-Parlament darüber diskutiert wird, schon jetzt strengere CO2-Regeln für die Zeit nach 2020 festzulegen, dann sicher auch, weil manche Unternehmen sich von den technologischen Folgen solcher Grenzwerte ein glänzendes Geschäft versprechen. Denn eine Folge wäre die breit angelegte Elektrifizierung des Antriebsstrangs bis in die Kompaktklasse hinein. Dadurch steigt der Wertschöpfungsanteil bestimmter Lieferanten. Aber es steigen auch die Kosten des Fahrzeugs insgesamt, und das in einem Umfang, der noch kaum absehbar ist.
Am Ende könnt selbst ein Kompaktauto so teuer werden, dass niemand mehr profitiert. Denn der Fahrzeugabsatz, dessen Preiselastizität sehr ausgeprägt ist, dürfte wegen der hohen Kosten für Hybrid- und Leichtbau-Komponenten sinken. Ein geringeres Produktionsvolumen würde die höheren Lieferanteile im Auto mehr als ausgleichen. Es hätten dann alle verloren: die deutschen Premiumhersteller wie die südeuropäischen Volumenmarken und ebenso die Zulieferer. Das kann in niemandes Interesse sein. Und der Umwelt nutzt die Elektrifizierung bekanntermaßen auch nicht. Der eCall ist ein schönes Beispiel für „gut gemeint, schlecht gemacht“. Die Autoindustrie ist längst so weit, den automatischen Notruf einzuführen. Leider gibt es aber bei Polizei und Feuerwehr niemanden, der den Notruf des im Graben liegenden Fahrzeugs empfangen könnte. Kein Anschluss unter dieser Nummer.