München. Willkommen in der Arbeitswelt der Zukunft, wo Fürsorge unverzichtbar ist, weil die Unternehmen auf die Bedürfnisse der Beschäftigten eingehen müssen. Seit knapp zwei Jahren testet die BMW Group im Rahmen des Pilotprojekts M51 innovative Organisations- und Arbeitsmodelle. 650 Angestellte, vor allem Bauingenieure und Personalmanager, arbeiten mittlerweile hier. Den Anstoß gab die Erkenntnis, dass starre Bürostrukturen und Anwesenheitspflicht nicht den Ansprüchen der Generation Netzwerk genügen und die moderne Wissens- und Projektarbeit behindern. Wer im Büro-Biotop M51, benannt nach der Adresse in der Moosacher Straße 51, arbeitet, erlebt IT und neue Technologien als Treiber einer hoch flexiblen Arbeitswelt, die Raum für Kreativität lassen. Dank Smartphone, E-Mail und Cloud Computing sind die Mitarbeiter unabhängig von Arbeitszeit und -ort. Alles was sie benötigen, ist ein Laptop, um sich ins Firmennetz einzuloggen. Dem trägt das M51 konzeptionell Rechnung, indem ergebnisorientierte, selbstbestimmte Arbeit den klassischen Job von 9 bis 17 Uhr abgelöst hat und Präsenzkultur dem Prinzip der Vertrauenskultur gewichen ist. Die Mitarbeiter notieren einfach die geleistete Arbeitszeit, wenn sie zu Hause, im Park oder im Flugzeug arbeiten. Dazu vereinbaren sie mit ihrem Vorgesetzten, wann sie erreichbar sein müssen und wann nicht. „Es geht uns um flexible Mobil- und nicht um Mehrarbeit“, betont Projektleiter Heiko Pfister. Im BMW-Büro der Zukunft teilen sich 650 Beschäftigte 450 Arbeitsplätze, eigene Schreibtische haben sie nicht. Persönliche Unterlagen werden in Rollcontainern oder Schließfächern verstaut. Schließlich bleibt in herkömmlichen Büros die Hälfte der Einzelarbeitsplätze unbesetzt, weil Kollegen in Meetings, auf Dienstreise oder im Urlaub sind. Gleichzeitig fehlen Besprechungsräume. Genau hier setzt M51 an. „Statt sämtlichen Platz für individuelle Einzelarbeitsplätze zu verwenden, nutzen wir einen großen Teil der Flächen für andere Arbeitsformen und Besprechungen“, sagt Pfister. Wer in den Bürozonen ungestört telefonieren will, zieht sich in eine Telefonkabine zurück. Schallgedämmte Sitzinseln eignen sich für den schnellen Gedankenaustausch zwischendurch. Zellenbüros können spontan für Einzelarbeit, Telefonkonferenzen oder kleine Besprechungen genutzt werden. Kreativräume mit interaktiven „Nice Walls“ eignen sich für die Teamarbeit. Die Mitarbeiter wissen's zu schätzen. „Anonyme Umfragen haben gezeigt, dass nicht nur die Prozesse optimiert wurden, sondern auch der Spaß an der Arbeit deutlich gewachsen ist“, freut sich Pfister.
Pilotprojekt bei BMW
Raus aus dem engen Büro-Korsett
„Sie müssen nicht gleich die Wände hochgehen, die Treppe reicht.“ Die Schilder im Treppenhaus sollen zum täglichen Mini-Fitnessprogramm animieren. Außerdem stehen Dienstfahrräder vor den zwei Bürogebäuden im Münchner Norden und auf jeder Etage Schalen mit frischen Äpfeln. Auch Ruheräume mit Massagesesseln, Wäscheservice, Duschen und Fitnessraum mit Kickertisch stehen bereit.