München. Raphaël Berthoud, bei Faurecia Interior Systems für Indien und Thailand verantwortlich, unterstreicht: „Südostasien, vor allem Thailand, ist für die Automobilindustrie ein großer Wachstumsmarkt.“ Japanische Automobilhersteller sind in der Region mit rund 600 Millionen Einwohnern schon lange vor Ort, „aber auch Ford und GM haben sich in Rayong niedergelassen“, ergänzt Berthoud. VW betreibt dort eine SKD-Montage. Rudi von Meister hebt hervor: „Viele der wirtschaftlich aufstrebenden Next-15-Länder sind in Südostasien zu finden.“ Der für den Asien-Pazifik-Raum zuständige ZF-Präsident betont, in etlichen dieser „BRIC-Nachfolgestaaten“ sei ZF teils seit vielen Jahren aktiv. Dürr-Chef Ralf Dieter ist ebenfalls zuversichtlich: „Experten erwarten, dass die Fahrzeugproduktion in Thailand, Indonesien und Malaysia bis 2018 um rund 40 Prozent zunimmt. Im Zuge dessen werden internationale Automobilhersteller ihre Fertigungskapazitäten in der Region ausbauen.“
Südostasien wird zum Hoffnungsträger
Die ASEAN-Staaten produzierten 2012 bereits über 4,2 Millionen Fahrzeuge, davon knapp 2,5 Millionen in Thailand. Der Absatz war in Thailand (1,4 Millionen), Indonesien (1,1 Millionen) und Malaysia (627.000) am höchsten. Für die Pkw-Produktion in Südostasien sagt PwC Autofacts bis 2020 ein Plus von 2,2 Millionen Einheiten voraus. Die Länder östlich von Indien und südlich von China locken Automobilhersteller auch, weil dort die Löhne noch niedriger sind als in China. Neben dem Volumenwachstum sieht ElringKlinger in Südostasien große Chancen aufgrund kontinuierlich verschärfter Emissionsgrenzwerte – wovon der Zulieferer überproportional profitieren könnte. Im Fokus stehen für die Zulieferer Indonesien, Thailand, Malaysia und Vietnam, wo zusammen mehr als drei Viertel aller ASEAN-Einwohner leben. ElringKlinger setzt stark auf Indonesien, das rund 250 Millionen Einwohner zählt. Auch Vietnam und Thailand sind für den Dichtungsspezialisten interessant: Klammere man Kleinstwagen aus, reiche die Pkw-Produktion in Thailand fast schon an die indische heran. Strategisch gehen die Zulieferer unterschiedlich vor. Dürr etwa importiert Anlagen für Kunden in Südostasien, vornehmlich aus chinesischen Werken. ZF produziert seit 2002 im thailändischen Rayong. Dort fertigen 170 Mitarbeiter Achssysteme für BMW, Ford, GM und Mercedes-Benz. Im malaysischen Kulim hat ZF Ende 2013 ein Werk eröffnet, in dem 70 Beschäftigte Pkw-Achsen für das nahe gelegene BMW-Werk montieren. Faurecia ist seit 1996 in Thailand. Dort arbeiten an drei Standorten rund 1000 Mitarbeiter für die Bereiche Interieur und Emissionskontrolle. Abgassysteme werden außerdem in Malaysia produziert. ElringKlinger fertigt in Indonesien für japanische Kunden bisher vor allem thermische Abschirmteile, künftig aber auch Zylinderkopfdichtungen, Spezialdichtungen und Kunststoffgehäusemodule. Mit ihren ASEAN-Werken versorgen die Zulieferer fast ausschließlich Kunden in der Region. Überschattet werden die Perspektiven durch die politische und gesellschaftliche Krise in Thailand. Einige Zulieferer verbuchen Rückgänge im Thailand-Geschäft, andere verspüren keine Auswirkungen. Zumindest ZF und Dürr gehen mittelfristig von einer Stabilisierung des Landes aus.