Monterey. Den größten Erfolg kann das Auktionshaus Bonhams verbuchen: Erst bei 38,1 Millionen Dollar fiel der Hammer für einen Ferrari 250 GTO von 1962, der damit zum teuersten jemals versteigerten Auto der Welt avanciert. Weil Bonhams noch ein Dutzend anderer Millionen-Modelle verkauft hat und es bei den Kollegen von Gooding, RM, Russo & Steele oder Mecum nicht schlechter lief, stehen am Ende der Classic Car Week bei der Küstenstadt Monterey nach einer Auswertung des US-Versicherers Hagerty 399 Millionen Dollar in den Bilanzen der Auktionshäuser. Das sind 27,8 Prozent mehr als die 312,1 Millionen aus dem vergangenen Jahr, die damals als Rekord gefeiert wurden. In diesem Jahr wurden laut Hagerty 745 von den insgesamt 1235 angebotenen Klassikern verkauft. In Pebble Beach bestätigt sich ein Trend, der schon seit Jahren anhält: Garagengold steht hoch im Kurs. Der Classic-Car-Index des Marktbeobachters Hagi hat sich deshalb seit seiner Einführung im Jahr 2009 mehr als verdoppelt. Allein im Juli ist die Wertung für die Top-Fahrzeuge um 4,82 Prozent oder 11,72 Punkte gestiegen und hat damit ein Allzeithoch von 254,84 erreicht. Die steile Aufwärtsentwicklung gilt allerdings nicht für alle Oldtimer, warnt der Automobilund Anlageberater Florian Zimmermann aus Stuttgart: „Während die Preise im oberen Segment förmlich explodieren, findet im unteren und mittleren Preissegment seit mehreren Jahren keine Bewegung statt.“ Besonders gefragt sind derzeit offenbar vor allem die Klassiker von Ferrari. Denn neben dem Rekord- Modell bei Bonhams wurden in Pebble Beach noch über ein Dutzend weiterer Sportwagen aus Maranello für jeweils mehr als eine Million Dollar verkauft – darunter ein 275 GTB aus dem Jahr 1964 für 26,4 und ein 250 GT von 1961 für 15,2 Millionen. Und auch die Juroren beim Concours d'Elegance haben offenbar ihr Herz für das Cavallino rampante entdeckt: Mit dem 375 MM von 1954 wählten sie zum ersten Mal in 64 Concours einen Ferrari zum „Best of Show“. Während bei den Auktionshäusern die aktuellen Kurse für das Garagengold bestimmt werden, sich die stolzen Besitzer später mit ihren neuen Schätzen auf den zu Luxus-Parkplätzen umfunktionierten Golf-Greens bewundern lassen und am Ende auf den Ritterschlag der Juroren beim Concours und damit insgeheim auf eine Verdopplung des Fahrzeugwerts hoffen, werden in den Villen ringsherum die Klassiker von morgen enthüllt: Bei privaten Previews und exklusiven Galaabenden präsentieren die Premiumhersteller den reichen Sammlern ihre besonders exklusiven Neuheiten. So hat zum Beispiel Bugatti in Kalifornien den letzten Veyron aus der „Legenden“-Serie enthüllt: Besonders aufwendig gestaltet und sehr markant veredelt, ehrt er Firmengründer Ettore Bugatti. Dass der 1200-PS-Roadster rund 2,8 Millionen Euro kostet, dürfte die Kunden nicht stören – schließlich bestellen sie auch beim Standardmodell Extras und Individualisierungen für durchschnittlich eine Million Euro, berichtet Firmenchef Wolfgang Dürheimer. In einer ganz ähnlichen Preisregion spielt der McLaren P1 GTR. Diese auf 1000 PS erstarkte Rennversion des Supersportwagens kostet umgerechnet zwar nur rund 2,5 Millionen Euro, wird aber ausschließlich an Kunden verkauft, die schon einen normalen P1 bestellt haben. Weil der 1,1 Millionen Euro kostet, wird der GTR so indirekt zum teuersten Neuwagen der Welt. Die vielleicht passendste Premiere kommt aber von Jaguar. Denn mit dem originalgetreuen Nachbau des Lightweight E-Type, einer Rennversion von 1963, schlagen die Briten in Pebble Beach die Brücke zwischen den Klassikern und den Neuwagen. Und mit einem Preis von knapp zwei Millionen Euro ist der rasante PS-Rentner in diesem Umfeld gut aufgehoben. Egal ob Super- Luxussportwagen, mühsam gezähmter Formel- 1-Bolide oder Retro-Renner – so unterschiedlich die Neuheiten in Pebble Beach auch sind, sie haben mindestens drei Gemeinsamkeiten: Sie sind extrem teuer, streng limitiert – und sehr begehrt. John Edwards, Chef der Special Operations bei Jaguar und Land Rover, hatte den Lightweight kaum enthüllt, da wurde er auch schon von zahlreichen Interessenten für den letzten der sechs nicht ohnehin bereits versprochenen E-Type bedrängt. Bugatti-Chef Dürheimer hat die Unterschriften für die drei „Ettore“ ebenfalls beisammen, und bei McLaren sind allein in der Nacht nach der Premiere des P1 GTR 20 Bestellungen eingegangen, sagt der Projektleiter Paul Mackenzie. Glaubt man Analysten und Auktionshäusern, werden das auch die Autos sein, mit denen man in den nächsten Jahrzehnten Rekordpreise erzielen kann: „Bei den modernen Supercars geringerer Stückzahl kann es in ein paar Dekaden durchaus zu solchen Preisanstiegen kommen“, glaubt Hagi-Chef Dietrich Hatlapa. Aber manchmal muss man gar nicht so lange warten: Ein für den Concours als Einzelstück veredelter BMW i8 brachte in einer Charity- Auktion bei Gooding 825.000 Dollar – gegenüber dem Serienmodell eine Preissteigerung von rund 600 Prozent. Rekordpreise bei den Auktionen und volle Auftragsbücher für die Luxusmarken – so verteidigt der Concours d'Elegance in Pebble Beach einmal mehr seinen Ruf als Dorado der Auto-Aficionados. „Für Menschen mit Benzin im Blut ist das besser als der Super Bowl“, sagt Alain Squindo vom Auktionshaus RM und hat eine vergleichsweise einfache Erklärung für das gute Geschäftsklima: „Hier in Pebble Beach trifft sich die Crčme de la Crčme der Autonarren. Alle haben ein traumhaftes Wochenende und die Mundwinkel zeigen nach oben. Da sitzen die Scheckbücher besonders locker.“
Rekordpreise für Oldtimer
Dollar-Regen in Monterey
Luxus läuft besser denn je. Egal ob Neuwagen oder Oldtimer – selten hat die PS-Branche so gute Geschäfte gemacht wie beim Concours d’Elegance in Pebble Beach. Denn rund um den wohl wichtigsten Schönheitswettbewerb für klassische Fahrzeuge wurden in Kalifornien beinahe im Minutentakt Millionendeals abgeschlossen.