München. Bei den Margen lassen Zulieferer sich ungern in die Karten schauen. Auf Fragen der Automobilwoche hüllten sich Bosch und TRW Aftermarket in Schweigen. Lediglich Hella nennt Zahlen: Im Geschäftsjahr 2012/2013 lag die EBIT-Marge im Automotive-Segment bei 5,5 Prozent und im Aftermarket bei 6,8 Prozent, wie Carsten Albrecht, Mitglied der Geschäftsführung im Aftermarket- Bereich, erläutert. Das Ergebnis im Automotive-Segment sei aber durch höhere Investitionen beeinflusst worden. Den Anteil des Aftermarket- Geschäfts am Automobilumsatz beziffert Hella auf etwa 22 Prozent. Bei Bosch sind es gut 16 Prozent. Unterschiede in den Margen bestätigt allerdings auch Uwe Thomas, Vorsitzender des Bosch- Bereichsvorstands Automotive Aftermarket: Für die Geschäftsmodelle im Aftermarket „bedarf es in der Regel anderer Margenvoraussetzungen als in der Erstausrüstung“. Beim globalen Trend im Aftermarket sind sich die Unternehmen einig: Der weltweite Fahrzeugbestand wächst – besonders in China –, und damit auch das Potenzial bei Reparaturen. Der älter werdende Fahrzeugpark und auch die aus der Garantie fallenden Fahrzeuge schaffen den Ersatzteileherstellern interessante Perspektiven, betont Ben Smart aus dem TRW-Bereich Aftermarket. Für die Marktentwicklung in Europa differieren die Prognosen. „Der Markt ist da, der Bestand bleibt konstant hoch. Die Autos werden aber immer älter“, sagt Heinemann. Im VDA geht man von Wachstum aus. Erstens, so Klaus Bräunig, „hat die Qualität der Fahrzeuge in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen. Das Durchschnittsalter im Pkw-Bestand in Deutschland beträgt mittlerweile 8,8 Jahre. Mit höherer Werthaltigkeit lohnt sich – zweitens – die Erhaltung und Pflege des Fahrzeugs über einen längeren Zeitraum hinweg.“ TRW-Manager Smart sieht in Westeuropa und Nordamerika eher einen schrumpfenden Ersatzteilmarkt. Er zieht aus der höheren Fahrzeugqualität den Schluss: Die Teile halten länger – es sind weniger Ersatzteile nötig. Das traditionelle Geschäftsmodell ändere sich. Um im schrumpfenden Markt erfolgreich zu sein, müsse man „über den Tellerrand“ blicken und nach neuen Chancen Ausschau halten.
Junger Markt
Der nächste Boom: Aftermarket in China
Für Automobilzulieferer dürfte das Ersatzteilgeschäft künftig noch interessanter werden – aber auch der Wettbewerb härter. Vor allem in China, aber auch in anderen jungen Märkten kommen all die in den vergangenen Jahren verkauften Neuwagen langsam in die Jahre und benötigen Ersatzteile. „Der Bestand wächst weiter, und starke Neuzulassungen aus den Jahren 2006 bis 2010 generieren jetzt höheren Bedarf an Ersatz- und Verschleißteilen“, erläutert Eckhard Brandenburg von der Beratungsgesellschaft BBE Automotive. In den entwickelten Märkten wie etwa Deutschland ist das Ersatzteilgeschäft von immer härterem Wettbewerb geprägt. Warum? Weil dort noch „einigermaßen“ gute Margen zu realisieren sind, sagt Klaus Bräunig, der für Zulieferer zuständige VDA-Geschäftsführer. Mit diesem Geschäft, so Gerd Heinemann, Geschäftsführer von BBE Automotive, „versuchen die Teilehersteller die geringen Margen im Erstausrüstungsgeschäft zu kompensieren“. Durch den härteren Wettbewerb gerieten sie aber „zunehmend unter Druck“.