Herr Schäperkötter, was bringt Sie als Zulieferer dazu, eine Studie zur Mobilität der Zukunft durchzuführen?
Innovation beginnt immer mit einer Frage. Wir müssen erst ein Problem entdecken, um uns fragen zu können, ob wir eine Lösung dafür haben. Deswegen muss die Suche nach der Mobilität der Zukunft damit beginnen, danach zu fragen, wo und wie Menschen leben. Wenn man das tut, findet man vielfältige Mobilitätslösungen in aller Welt. Klar war uns schon vor Beginn, dass es regionale Muster geben muss. Denn alle Ideen eines Einheits-Weltautos sind bislang gescheitert.
Wie deutlich unterscheiden sich die regionalen Muster?
Zwischen großen Städten und dem Land unterscheiden sie sich deutlich. Die Infrastruktur unterscheidet sich erheblich, je nachdem, wie weit ein Land wirtschaftlich entwickelt ist. Für die eigene Mobilitätsentscheidung spielt schließlich die Kaufkraft eine wesentliche Rolle. So ergibt sich in Summe ein extrem buntes Bild.
Und Sie wollen nun Ordnung in dieses Bild bringen?
Ja, und sogar noch mehr. Wir wollen auch Aufmerksamkeit dafür schaffen, dass wir bei der Entwicklung neuer Lösungen nicht eurozentrisch denken dürfen, frei nach dem Motto: Was hier funktioniert, setzt sich überall auf der Welt durch. Deshalb haben wir eine dreidimensionale Matrix entwickelt, mit der wir regionale Mobilitätsbedürfnisse clustern können.
Mobilität ist aber mehr als Autofahren.
Klar, wir betrachten Mobilität in jeder Hinsicht, bis hin zum Aufzug – ohne den wären Megacitys ja überhaupt nicht existent. Und umgekehrt können wir die Matrix auch verwenden, um Zielmärkte für neue Technologien zu identifizieren. Zum Beispiel für Elektromobilität: Sie setzt aufgrund der Kosten eine hohe Kaufkraft des Nutzers voraus, die kurzen Reichweiten sprechen für den Einsatz in Städten und die notwendigen Investitionen in die Ladeinfrastruktur für Industrieländer.
Glauben Sie nicht daran, dass alles danach strebt, mit deutschen Premium-Limousinen unterwegs zu sein?
Eine Fünf-Meter-Luxuslimousine wäre selbst dann für eine Megacity keine gute Lösung, wenn sie sich vollkommen autonom bewegt. Sie ist schlicht zu groß. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Zahl der Automobile sich bis 2025 etwa verdoppeln wird. Immer größer, noch 'ne Tür, noch mehr PS, das ist es nicht mehr. Auch autonomes Fahren und Carsharing werden nicht die alleinige Lösung sein.
Sie wollen die komplette Energiekette betrachten. Was bedeutet das?
Unserer Einschätzung nach wird es künftig nicht mehr reichen, nur die lokalen CO2-Emissionen eines Fahrzeugs zu betrachten. Zunehmend betrachten Politik und Umweltschützer die komplette Erzeugungs- und Verbrauchskette hinsichtlich ihrer Klimarelevanz und ihrer Schadstoffbilanz. Dazu gehört auch die Energie, die für die Produktion alternativer Energieträger wie Strom oder Wasserstoff verbraucht wird. Und natürlich auch die „graue Energie“, die für die Herstellung aller Komponenten eines Fahrzeugs benötigt wird.
Und wie sieht sie aus, die Mobilität in der Stadt der Zukunft?
Trotz aller Unterschiede zwischen den Städten dieser Welt gibt es Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel, dass der intermodale Verkehr, bei dem zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln gewechselt wird, in Zukunft eine Selbstverständlichkeit darstellt. Zudem wird die Bevölkerung in vielen Städten außerhalb der klassischen Industrieländer ein sehr pragmatisches Verständnis von Mobilität entwickelt. Denen geht es vor allem darum, möglichst kosten- und zeiteffizient von A nach B zu kommen.