Peking. Chinas Wettbewerbshüter haben ihre Ermittlungen laut einem Medienbericht auf mehr als 1000 Firmen aus der Autobranche ausgeweitet. Autobauer, Zulieferbetriebe und Händler stünden im Fokus der Untersuchungen, zitierte die Zeitung «China Daily» (Mittwoch) einen Ermittler der Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC).
Die Europäische Handelskammer warf chinesischen Wettbewerbshütern einen doppelten Standard vor. «In einigen Branchen wird nicht gegen chinesische Firmen für die gleichen Vergehen ermittelt», teilte die Kammer am Mittwoch mit. Außerdem seien bei Untersuchungen von Gemeinschaftsunternehmen teilweise nur die internationalen Partner, aber nicht die chinesischen Unternehmen öffentlich genannt worden.
Audi und sein chinesischer Partner FAW haben im gemeinsamen Unternehmen in China Verstöße gegen das Anti-Monopolgesetz eingestanden. Auch gegen Daimler wurden Ermittlungen eingeleitet. Unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete die Zeitung, dass auch gegen chinesische Firmen ermittelt würde.
In der gesamten Branche herrscht Unsicherheit über das weitere Vorgehen der Behörden. Audi, Daimler, BMW, Jaguar Land Rover, Chrysler, Toyota und Honda haben bereits Ermäßigungen für Ersatzteile bekanntgegeben.
Seit Wochen machen Behörden vor allem Druck auf ausländische Premium-Hersteller. Chinas Markt für Oberklasse-Autos wird von den deutschen Herstellern Audi, BMW und Daimler dominiert. Auch gegen Daimler laufen Ermittlungen der Wettbewerbshüter. Die Filiale des Unternehmens in Shanghai sowie mehrere Händler waren von Preiswächtern durchsucht worden. Am Dienstag hatte auch GM bekanntgegeben, dass das Unternehmen von Ermittlern kontaktiert worden war.Branchenexperten rätseln jedoch, was das Ziel der Ermittler sein könnte. Sinkende Preise wirkten sich schließlich auch auf die Gewinne der chinesischen Partnerunternehmen aus. Außerdem könnten Preisnachlässe auf ausländische Automarken heimische Autohersteller weiter unter Druck setzen. Bislang versuchen sie gegen internationale Marken mit günstigeren Preisen anzutreten. Dieser Wettbewerbsvorteil würde ihnen dann jedoch zunehmen verloren gehen. (dpa/gem)