München. Bis sie in einigen Wochen in den Süden wechselt, sitzt sie noch im Vorstand der Werbeagentur Scholz & Friends in Berlin. In diese Position war sie 2012 aufgestiegen, nachdem sie das Haus seit 2003 als Geschäftsführerin geleitet hatte. Viele der Kampagnen aus der Berliner Denkzelle wurden mit Preisen überhäuft. Die Agentur arbeitet unter Wursts Führung für Saturn, Bayer, das Land Baden-Württemberg und die Transporter- Sparte von Mercedes-Benz. Letzterer dürfte einer ihrer liebsten Kunden gewesen sein – Wurst gilt als ausgemachter Autofan. Überhaupt genießt die Werberin in ihrer Branche Respekt. Respekt für ihren Aufstieg in der üblicherweise von Männern dominierten Werbewelt. Respekt aber auch für ihre Entscheidungsfreude, ihre Intelligenz, ihr hervorragendes Netzwerk. Ihr Lebenslauf lässt einen Drang nach oben erkennen, genau wie diese Aussage von ihr: „Immer wenn ich eine Stufe geschafft hatte, habe ich mir irgendwann die jeweils nächsthöhere zugetraut.“ Wurst hat sich ihren Aufstieg hart erkämpft. Nach dem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ging sie zur angesagten Agentur Ammirati Puris Lintas nach New York. Ab 1996 folgten Stationen beim Agenturnetzwerk TBWA in Hamburg und Singapur. Zur Jahrtausendwende heuerte sie bei Scholz & Friends in Berlin an. Zuletzt flatterten immer häufiger Jobangebote auf ihren Schreibtisch, sie lehnte alle ab. Doch dann kam der weiß-blaue Brief aus München. Über das Angebot sagt sie, es habe „genau gepasst“. Mit Stefanie Wurst holt sich BMW zum zweiten Mal in relativ kurzer Folge Verstärkung aus der Agenturbranche. Erst Anfang 2013 hatte Steven Althaus die weltweite Markenführung von BMW übernommen. Er leitete zuvor die französische Werbeagentur Publicis in Deutschland und Österreich.
Frauenpower für die BMW-Werber
Die weltweiten Kampagnen, die künftig aus Althaus’ zentraler Marketingabteilung kommen, wird Wurst für den deutschen Markt aufbereiten. Die wahrscheinlich größte Herausforderung dürfte darin liegen, den Deutschen die BMW i-Modelle schmackhaft zu machen. Außerdem muss die Neue im Marketing dafür sorgen, dass der Vorsprung vor der Konkurrenz aus Stuttgart und Ingolstadt nicht kleiner wird. Mercedes holt zurzeit beim Absatz mit Siebenmeilenstiefeln auf, Porsche greift mit dem Macan nach weiteren Anteilen im SUV-Markt. Auch wenn ihr Schreibtisch und ihr Terminkalender voll und die Zeit fürs Skifahren knapp bemessen sein werden, fremdeln wird Stefanie Wurst nicht mit ihrer neuen Heimat. Die Karrierefrau ist in München aufgewachsen, ihr Vater arbeitete bei BMW.