München. „Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht“, sagt Frank Niederländer, der die Modellreihe verantwortet. Doch für den Tabubruch sprechen aus seiner Sicht gleich zwei triftige Gründe: zum einen das Konzept selbst. Denn als erstes waschechtes Familienauto von BMW sei der Active Tourer konsequent um die Rückbank herum entwickelt. Und so viel Fußraum auf einer Länge von 4,34 Metern, eine um 13 Zentimeter verschiebbare Sitzanlage und zwischen 468 und 1510 Liter Kofferraumvolumen waren mit Heckantrieb nicht machbar. Aber auch die Finanzabteilung hat für den Frontantrieb votiert: Die neue, intern UKL (Untere Klasse) genannte Architektur ermöglicht eine weitgehende Verschmelzung von BMW und Mini und soll so eine deutliche Kosteneinsparung bringen. Deshalb wird es auch nicht beim Active Tourer bleiben. Allein für BMW stellt der Produktplaner bis zu zwölf UKLFahrzeuge in Aussicht, die dann am Gesamtvolumen der Marke einen Anteil von rund einem Drittel haben sollen. Dazu zählen nicht nur die nächste Generation von Einser, Zweier und X1, sondern auch ein siebensitziger Van. Die Ausweitung kommt nicht von ungefähr: „Weltweit wird sich das Volumen der Premium-Kompakten bis 2022 verdoppeln“, ist Niederländer überzeugt. Getrieben wird das Wachstum zwar vor allem von kurzen Limousinen oder kleinen Geländewagen. Aber dazu zählten eben auch variable Raumkonzepte: „Wenn es um bezahlbare und praktische Autos für junge Familien ging, waren wir bis dato nicht perfekt aufgestellt“, räumt Niederländer ein und hofft, dass der Active Tourer das ändern wird. „Wir senken die Preishürde und mit ihr das Durchschnittsalter unserer Kunden“, erwartet der Manager.
Für Zweier Active Tourer wirft BMW Heckantrieb über Bord
Auf zu neuen Fronten
BMW ist buchstäblich auf dem Weg zu neuen Fronten: Wenn der Münchner Hersteller im Herbst zu Preisen um 30.000 Euro den Zweier Active Tourer in den Handel bringt, dann ist das nicht nur die erste Großraumlimousine der Bayern. Es ist auch das erste Auto in der Firmengeschichte, das mit Front- statt Heckantrieb entwickelt wurde.
Frontantrieb und Fahrfreude
Die für BMW sprichwörtliche Fahrfreude werde dafür aber nicht kompromittiert, verspricht der Verantwortliche der neuen Baureihe. Man sitze wie in einem BMW, könne alle Assistenz- und Infotainmentsysteme aus den größeren Klassen nutzen und aus leistungsstarken Motoren wählen. Zwar startet der Hochdach- Zweier auch noch mit dem ersten Dreizylinder im BMW-Portfolio und muss in der Basisversion als 218i mit 136 PS auskommen. Doch gibt es alternativ einen 218d mit 150 PS, einen 225 mit 231 PS und auf Wunsch sogar ein Design-Paket der M GmbH. Wer trotzdem zweifelt, dem empfiehlt Niederländer eine Testfahrt mit dem neuen Mini: „Dort haben wir bewiesen, dass Frontantrieb und Fahrfreude kein Widerspruch sind.“