München. Die heißen Autojagden und wilden Überholmanöver sind verglichen mit anderen Werbeformen sehr wirkungsvoll. „In Rennspielen interagiert der Spieler mit dem Fahrzeug seiner Wahl bewusst. Im Sinne eines Pull-Mediums erlauben Videospiele somit dem Konsumenten eine wesentlich reichere und weniger werbliche Begegnung mit der Marke“, erklärt Andreas-Christoph Hofmann, Leiter der BMW-Markenkommunikation. Zwar nutzen Porsche, BMW und all die anderen Hersteller die Simulationsspiele schon seit Ende der 90er-Jahre zur Imagepflege. „Wir wollen unsere Kunden nicht nur in der realen Welt begeistern, sondern auch in der virtuellen“, bestätigt Kai Mensing aus der Audi-Abteilung Product Placement. Doch seitdem die Hardwareleistung immer besser wird und die Darstellung nahezu fotorealistisch ist, genießt die Präsenz in „Gran Turismo“, „Need for Speed“ oder „Forza“ im Marketing einen neuen Stellenwert. Sie wurde zu einem strategischen Kundenbindungsinstrument. Beispiel BMW M4 Coupé: Der Wagen feierte im Dezember 2013 im neuen „Gran Turismo 6“ sogar Weltpremiere. Die Gaming-Community konnte das Fahrzeug also Monate bevor es in den Verkaufsräumen stand virtuell fahren.
Spielerisch zum Image
Die wachsende Bedeutung der Computerspiele hat einen einfachen Grund. „Der Bereich Videospiele ist ein erwachsener Massenmarkt, über den wir junge und ältere Zielgruppen erreichen“, erklärt BMW-Manager Hofmann. Im Klartext: Die interaktive Unterhaltung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mehr als jeder dritte Deutsche nennt Computerspiele als Hobby, bei Menschen unter 30 Jahren sind es gar 80 Prozent. Hinzu kommt, dass der Pkw-Verkauf speziell an junge Leute schwächelt. Ganz anders sieht es bei Rennspielen aus: Sie gehören zu den Verkaufsschlagern. Kein Wunder, dass etwa Volkswagen vom Bulli über den Kübelwagen bis zum GTI alle Modelle für die „Gran-Turismo“-Rennstrecke programmieren ließ. Nach dem Motto: Ist die Faszination für die Marke erst einmal im Kopf verankert und der Wagen virtuell erlebt, ist es zum Besuch im Autohaus nur noch ein kleiner Schritt. Wurden in den Anfangsjahren der Autorennspiele aktuelle Modelle aus der realen in die virtuelle Welt überführt, schaffen heute erste Pkw den Sprung aus dem Cyberspace auf die Straße. Beispielsweise stellte Mercedes den eigens für „Gran Turismo 6“ entworfenen AMG Vision GT zu Showzwecken tatsächlich auf geschmiedete Räder. Auch VW wollte seinen neuen Super-GTI nicht nur ein virtuelles Dasein in Yamauchis Spiel fristen lassen: Beim GTI-Kulttreffen am Wörthersee wurde die Sportwagen- Studie Ende Mai feierlich enthüllt.