München. Für den Standort Mexiko sprechen vor allem die über 30 Freihandelsabkommen, die das Land unterzeichnet hat, sagt Sven Henkel, der neue Leiter des Automotive Institute for Management an der EBS in Wiesbaden. Am wichtigsten für die Autoindustrie ist das NAFTA-Abkommen, das die Türen zu den USA und nach Kanada öffnet. Immerhin gehen mehr als zwei Drittel der mexikanischen Fahrzeugexporte direkt an den Nachbarn im Norden, und viele US-Werke aller namhaften Hersteller werden mit Komponenten aus Mexiko beliefert. „Von Mexiko aus können die OEMs unbehelligt nach Nordamerika exportieren, müssen aber nicht die Nachteile einer US-Produktion hinnehmen“, sagt Thomas Schlick, Partner bei Roland Berger in Frankfurt. Die Gewerkschaften zum Beispiel haben in Mexiko deutlich weniger Einfluss und gelten als liberaler als in den USA, und die Lohnkosten sind um ein Vielfaches geringer: Während ein Facharbeiter in den USA mit rund 13 Dollar pro Stunde kalkuliert werden müsse, stehe er in Mexiko mit nur sechs Dollar in den Büchern. „Für das Land sprechen aber noch zahlreiche andere Faktoren“, sagt Jan Dannenberg von Berylls in München: „Die Infrastruktur von den Straßen über die Bahnlinien bis zu den Häfen ist gut entwickelt, das Bildungsniveau ist hoch und die Personalsituation ist gut.“ Weil es schon seit Jahrzehnten eine vitale Automobilindustrie gibt, müssen Autobauer für neue Werke bei der Mitarbeiterschulung nicht bei null anfangen, sagt Dannenberg. Das gelte bis hinauf ins Management, das in den vergangenen Jahren obendrein durch „Wirtschaftsflüchtlinge“ aus dem krisengeplagten Spanien verstärkt worden sei. Außerdem sei die Automobilindustrie gleichmäßig über das ganze Land verteilt und alle Zulieferer mit Rang und Namen längst in Mexiko mit eigenen Standorten etabliert, so der Berylls-Partner. „Wer jetzt nach Mexiko kommt, legt sich ins gemachte Bett.“
Auf die Automobilhersteller wartet ein bestelltes Feld
Auch als Markt ist Mexiko für die Hersteller nicht unbedeutend, sagt PwC-Analyst Stürmer: Immerhin wurden dort 2013 rund 1,06 Millionen Fahrzeuge verkauft; mehr als in Spanien und fast so viele wie in Frankreich. „Und den südamerikanischen Mercosur-Binnenmarkt von allein 260 Millionen Menschen darf man ebenfalls nicht vernachlässigen“, gibt EBSProfessor Henkel zu bedenken. Angst um seine Stellung als wichtigster Produktionsstandort in der Region müsse Mexiko kaum haben, ist Dannenberg mit Blick auf die Nachbarn im Süden überzeugt. Zwar seien auch Brasilien und Argentinien wichtige Märkte, in denen man für lokalen Erfolg auch lokal fertigen müsse. „Doch mit ihrer über Jahrzehnte sehr protektionistischen Wirtschaftspolitik und ihren strengen Importregeln geben sich beide Länder nicht gerade einladend.“ Außerdem ist das Lohnniveau dort laut PwC höher als in Mexiko. Auch wenn die Standortentscheidungen der Autohersteller und ihrer Zulieferer Moden unterworfen sind und die Werke parallel zu Konjunkturzyklen und Marktverschiebungen über die Jahre um die ganze Welt wandern: Die Fiesta Mexicana ist noch lange nicht zu Ende. Im Gegenteil, ist Dannenberg überzeugt: „Mit den USA als großem Markt in unmittelbarer Nachbarschaft und der Sogwirkung der jüngsten Standortentscheidungen im Rücken wird der Ausbau der Fertigungskapazitäten dort noch viele Jahre weitergehen.“