Stuttgart. Die Pizzen sind zwar so groß wie Wagenräder, an schnelle Autos erinnert bei der Italo-Kette Tialini aber nichts. Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking betreibt inzwischen drei Restaurants für Pizza, Pasta & Co. Ihm selbst dürfte der Appetit aber vergangen sein: Am Dienstag entschied das Oberlandesgericht in Stuttgart, dass Wiedeking vor Gericht muss.
Auch wenn der 61-Jährige inzwischen unter anderem in der Gastronomie Geschäfte macht - mit dem anstehenden Prozess holt ihn sein bisher ehrgeizigstes Projekt ein: Der gescheiterte Übernahmeversuch des Autoriesen Volkswagen durch den viel kleineren Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche. Die Staatsanwaltschaft hat ihn deswegen angeklagt. Der Vorwurf: Marktmanipulation.
Seinen Hut bei Porsche musste Wiedeking im Fahrwasser des Übernahmekrimis bereits vor mehr als fünf Jahren nehmen. Zuvor hatte er 17 Jahre lang die Geschicke von Porsche gelenkt und den damals angeschlagenen Autobauer wieder auf die Überholspur geführt. Doch dann griff er nach der Macht bei Volkswagen - und verhob sich. Mittlerweile hat VW das Sagen bei den seit jeher eng verbandelten Partnern - und nicht umgekehrt, wie Wiedeking es geplant hatte.
Wiedeking und auch der frühere Porsche-Finanzchef Holger Härter sollen den Finanzmarkt zwischen 2007 und 2009 nicht ausreichend über die Porsche-Pläne beim VW-Einstieg informiert haben, so der Vorwurf.
Wiedeking selbst äußert sich dazu nicht, ließ die Anschuldigungen über seine Anwälte aber stets zurückweisen. "Ich bin mit mir im Reinen", sagte er einst dem "Stern". Wiedekings Freunde betonen stets, so viel habe er gar nicht falsch gemacht. So wohlwollend sehen ihn aber nicht alle.
Man dürfe Wiedeking und Härter zwar nicht die ganze Schuld an der gescheiterten Übernahme zuweisen, sagte Porsche-Urenkel Peter Daniell Porsche einmal in einem Interview. "Aber ich will schon sagen: Die Dicke ihrer Zigarren und das Ausmaß der Bankgeschäfte waren auf dem höchsten Niveau der Hochnäsigkeit und des jugendlichen Spieltriebes."
Mittlerweile investiert Wiedeking neben Pizza in Häuser, Schuhe, Pharma und PR-Agenturen. Auch sitzt er im Beirat der Signa-Holding des österreichischen Immobilieninvestors René Benko, die kürzlich die Warenhauskette Karstadt übernommen hatte. Er selbst sagte einst über sein Leben nach Porsche: "Ich bin mindestens genauso viel unterwegs wie in meiner früheren Tätigkeit." Wenn demnächst die Hauptverhandlung vor Gericht beginnt, dürfte er dafür weniger Zeit haben. (dpa-AFX/gem)