Ingolstadt. Der neue, vom Zulieferer Valeo produzierte Lader ist kaum größer als eine Konservendose, wiegt nicht einmal zehn Kilogramm und wird den konventionellen Turbos vorgeschaltet. Während diese erst mit dem nötigen Abgasstrom anlaufen und deshalb etwas verzögert reagieren, beschleunigt der sogenannte eBooster in 200 Millisekunden auf 72.000 Umdrehungen und schaufelt entsprechend schnell extrem viel Luft in den Motor. Bis zu zwei Sekunden Laufzeit beim Kick-down oder beim Herausbeschleunigen aus der Kurve genügen deshalb, um die Spurtstärke nachhaltig zu verbessern, erläutert Weiß. Welches Potenzial in dem Konzept steckt, demonstriert Audi aktuell mit einem Technologieträger auf Basis des RS5. „25 Jahre nach der Premiere des ersten TDI-Motors wollen wir damit die Faszination für den Diesel neu anfachen und beweisen, dass der Selbstzünder auch in einen Sportwagen passt“, sagt Weiß mit Blick auf die Leistungsdaten: Wo beim aktuellen V6-TDI bei 313 PS Schluss ist, kommt der 3,0-Liter- Motor mit eBooster auf 385 PS. Das maximale Drehmoment steigt auf 750 Newtonmeter – und für den Sprint von null auf 100 km/h braucht der RS5 TDI Concept nur noch 4,0 Sekunden. Damit ist der Diesel im Technologieträger eine halbe Sekunde schneller als der 450 PS starke RS5 mit Benzin- Motor. Trotzdem stellt Weiß für den bei 280 km/h abgeregelten Prototypen einen Verbrauch von unter fünf Liter in Aussicht. Zwar fährt der Technikträger schon fast wie ein Serienauto, und sogar den passenden Sound für die mit zwei Lausprechern in den Endrohren verstärke Abgasanlage hat die Entwicklungsmannschaft bereits programmiert. Doch zumindest im aktuellen RS5 wird der eBooster wohl nicht mehr zum Einsatz kommen, deutet Weiß an. Denn für den Betrieb des elektrischen Laders müssen die Ingenieure die Spannung im Bordnetz auf 48 Volt erhöhen – und dazu wird es in der laufenden Generation nicht mehr kommen. Dieser Spannungssprung ist laut Weiß auch der Kostentreiber bei einer möglichen Serieneinführung: Während der Lader alleine auf dem Preisniveau eines konventionellen Turbos liege, gehe das 48-Volt-Netz „richtig ins Geld“. Deshalb muss Weiß für die Aufrüstung Verbündete aus anderen Gewerken suchen: „Von der höheren Spannung würden ja weitere Fahrzeugfunktionen profitieren“, argumentiert der Entwickler. Deshalb ist Weiß auch zuversichtlich, dass der eBooster schon bald in Serie gehen wird. Die Technik brauche zwar noch etwas Feinschliff, erklärt er. Doch wenn in den nächsten Monaten erst Q7 und A4 und dann auch der A6 in die neue Generation gehen, könnte der elektrische Lader in mindestens einem dieser Modelle offenbar schon relativ bald seinen Einstand geben.
Neuer eBooster soll Audis Diesel Beine machen
Elektroschock statt Turboloch
Audi macht dem Diesel Beine: Mit einem elektrischen Lader wollen die Motorenentwickler in Ingolstadt das Ansprechverhalten der TDI-Aggregate verbessern, das Turboloch schließen und so die Beschleunigungswerte auf das Niveau vergleichbarer Benziner bringen. „Damit machen wir den Diesel gar vollends zum Sprinter und die Gedenksekunde beim Anfahren ist Vergangenheit“, sagt Ulrich Weiß, der Leiter der TDI-Entwicklung.