München. Eine Erhöhung des Außendurchmessers um ein Prozent reduziert den Rollwiderstand um ebenfalls etwa ein Prozent, wie Matthias Strzelczyk erläutert, der bei dem Zulieferer für die Entwicklung derartiger Reifen zuständig ist. Die Ursache dafür ist leicht zu verstehen: An der Kontaktstelle zur Fahrbahn muss der Reifen sich ein wenig „eindrücken“ lassen, damit jene – im Durchschnitt – postkartengroße Kontaktfläche entsteht, die für Haftung sorgt. Diese Verformung kostet Energie, sie fällt aber umso geringer aus, je größer der Reifendurchmesser ist. Strzelczyk nennt ein praktisches Beispiel: Mit einem neuartigen Reifen der Dimension 195/55 R20 lasse sich der Rollwiderstand im Vergleich zu einem konventionellen 205/55-R16-Reifen um knapp 15 und der Energieverbrauch des Fahrzeugs um etwa drei Prozent senken. An den sogenannten Tall-andnarrow- Konzepten, wie beim BMW i3 eingesetzt, arbeiten viele große Reifenhersteller. Die i3-Reifen liefert Bridgestone exklusiv. Michelin ist im VW XL1 vertreten. Das nur 1,15 Meter hohe Fahrzeug läuft auf „Energy-Saver“-Reifen der Größen 115/80 R15 (vorn) und 145/55 R16 (hinten). Michelin hat zudem für das Hybridkonzept Peugeot 208 HYbrid FE einen Reifen im Format 165/65 R19 entwickelt. Continental bringt für einen noch ungenannten Kunden den Conti eContact als Tall-andnarrow- Lösung für die Erstausrüstung auf den Markt. Bislang handle es sich bei Talland- narrow-Reifen ausschließlich um Einzellösungen, die entsprechend der Herstelleranforderungen für ein einziges Fahrzeug maßgeschneidert werden, erläutert ein Michelin-Sprecher. Die Möglichkeiten, durch Reifentechnologie zum Energiesparen beizutragen, wüchsen, je mehr Fahrzeuge für spezielle, eingeschränkte Anwendungsspektren ausgelegt seien. So wiegt der i3 als reines E-Fahrzeug knapp 1200 Kilogramm und wird bei 150 km/h abgeregelt. Der VW XL1 fährt maximal 160 km/h und wiegt nur knapp 800 Kilo. So müssen die Reifen bei Geschwindigkeit und Tragkraft nicht die höchsten Anforderungen erfüllen, was mehr Möglichkeiten für eine energiesparende Konstruktion lässt. Noch stärker in diese Richtung können die Reifenentwickler den Fokus bei reinen Stadtfahrzeugen lenken. Neben niedrigerem Energieverbrauch bieten große Reifen noch einen weiteren Umweltvorteil, wie Continental-Experte Strzelczyk erläutert: Durch das geringere Eindrücken des Kreisbogens verursachen sie weniger Lärm.
Energieeffizienz dank großer Reifen
Sparen auf großem Fuß
Große Räder sind nicht mehr nur Symbole kraftstrotzender Fahrzeuge. Im BMW i3 feiern sie ihre Serienpremiere als Energiesparer. Der Kompaktwagen i3 tritt wahlweise mit 19- oder sogar 20-Zoll-Rädern an – die allerdings mit 155 (vorn) und 175 Millimetern (hinten) relativ schmal sind. Der Anlass für die großen Reifen: Mit dem Durchmesser sinkt auch der Rollwiderstand, der im Durchschnitt für 16 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich ist, wie Experten von Continental vorrechnen.