Dubai. Fast sinnbildlich für die Gigantomanie am Golf steht die Emirates Motor Company (EMC) in Abu Dhabi. Vor etwas mehr als 50 Jahren in einer Wellblechhütte gegründet, hat sie vor ein paar Jahren umgerechnet rund 100 Millionen Euro buchstäblich in den Sand gesetzt und den größten Mercedes-Showroom der Welt aus dem Wüstenboden gestampft: Der Ausstellungsraum ist geräumig wie eine Konzerthalle und bietet auf 5000 Quadratmetern Platz für über 100 Fahrzeuge, die Tiefgarage hat 550 Stellplätze. Aber der ganze Stolz von Kamal Rafih ist die klimatisierte Werkstatt in der Halle nebenan. „Mit 250 Arbeitsplätzen ist sie die größte der Welt“, sagt der General Manager. So misst die Halle, die Marken wie Lotus oder Lamborghini auch als Fabrik dienen könnte, imposante 21.000 Quadratmeter und wäre groß genug, um darin 50 Passagiermaschinen zu parken. Allein die klimatisierte Vorfahrt zur Direktannahme stellt manche europäische Parkhauszufahrt in den Schatten. Hinter hohen Rolltoren stehen in den langen Reihen voller Hebebühnen E- und S-Klassen Spalier. Dazwischen immer wieder G-Modelle, M-Klassen und ab und an sogar eine neue A-Klasse. Doch für die echten PS-Pretiosen gibt es im Morgenland der Kfz-Mechaniker eine Art Separee: „Unsere VIP-Werkstatt“ nennt Rafih den sorgsam abgetrennten Bereich, der groß ist wie ein Ballsaal. Vor neugierigen Blicken geschützt, werden am hinteren Ende der Halle SLR, SLS und Maybach der fürstlichen Familien gewartet, und Rafihs 300 Mechaniker haben auch damit gut zu tun.
Autohandel in einer neuen Dimension
Ganz so imposant wie der Komplex der Emirates Motor Company ist der Verkaufsraum von Abdulla Alkidbi in der Sheikh Zayed Road zwar nicht. Doch der Wert der bei ihm ausgestellten Fahrzeuge dürfte den der EMC-Flotte um ein Vielfaches übertreffen. Denn hier an der pompösen Automeile von Dubai stehen nicht weniger als vier Mercedes SLR, ein halbes Dutzend Rolls-Royce, die gesamte Modellpalette von Lamborghini und Ferrari, eine Handvoll Bentley, ein Brabus, zwei Pagani und ein Koenigsegg zum Verkauf. Und das ist nur eines von fünf Autohäusern, das der gerade mal 40-jährige Araber betreibt. Er ist Chef von Alain Class Motors, bezeichnet sich selbst als größten Sportwagenhändler der Welt und stützt diese Behauptung auf ein Inventar von über 250 Fahrzeugen – davon ein Drittel Supersportwagen in der Liga über 500 PS, Luxuslimousinen und getunte Geländewagen. Einen Mercedes S 63 AMG bezeichnet Unternehmenschef Alkidbi schon als billiges Allerweltsauto, und seinen Porsche Cayenne Turbo, mit dem er gerade ins Büro gekommen ist, als den idealen Stadtwagen. Zwar ist wahrscheinlich nirgends auf der Welt die Dichte an offiziellen Ferrari-, Lamborghini-, Rolls-Royce- oder Bentley-Händlern so groß wie am Golf. Doch Alkidbi weiß um seine Stärken als freier Händler: „Bei mir ist die Auswahl einfach größer. Hier kann man direkt vergleichen, und in der Regel komme ich schneller an die Fahrzeuge heran“, sagt der Firmenchef, der mittlerweile meist auf Bestellung liefert und allein in den Emiraten im Schnitt 30 bis 40 Autos pro Monat verkauft. Dazu kommen die Exportgeschäfte mit Hongkong, China und den Philippinen. Er habe lange Wunschlisten von vielen Hundert Kunden, die seine Mannschaft abarbeite. „Überall auf der Welt haben wir ein Netz von Experten, die für uns den Markt beobachten. Egal ob neu oder gebraucht – sobald irgendwo ein besonders exklusives oder exotisches Auto angeboten wird, schlagen wir zu. Wenn es der Kunde eilig hat, steht es 24 Stunden später schon bei uns auf dem Hof“, erläutert Alkidbi. Und eilig haben es Kunden in den Emiraten häufig: „Autos sind für die Scheichs wie Spielsachen, und da werden selbst die größten Jungs ungeduldig.“ Trotzdem kommt nicht jedes Schmuckstück, das Alkidbi ergattert, in den Handel. Immer wieder landet ein besonders begehrenswerter Sportwagen auch in der privaten Garage des Firmenchefs. Allerdings wird es dort langsam eng: Über 40 Autos hat er schon.