München. „Die wirklich großen Herausforderungen kommen erst noch“, so Andreas Radics, Partner der Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors. Laut seiner Recherche stehen heute auf den zehn weltweit größten Plattformen 24 Prozent aller produzierten Fahrzeuge. Mit den neuen Plattformen, die jetzt entwickelt werden und 2020 auf dem Markt sind, steigt der Wert auf 30 Prozent. Dabei nimmt die Zahl der Derivate nochmals erheblich zu. „Die Anforderung an uns lautet ganz klar, die Produkte von Anfang an so zu entwickeln, dass sie möglichst ohne Änderungsaufwand in allen Derivaten einer Plattform einsetzbar sind“, sagt Sabine Woytowicz, Regional Quality Director von Valeo Deutschland. Je besser die Gleichteilestrategie greift, desto wichtiger wird, dass die Produkte über die Lebensdauer fehlerfrei funktionieren. „Die Durchschlagskraft der Qualität auf Markenwert und Image wächst“, stellt Radics fest. Deshalb hält er es für erforderlich, dass die Autohersteller und Tier-1-Lieferanten ihre Qualitätsmanager noch besser in den Produktentstehungsprozess einbinden. „Wir prüfen heute noch genauer schon bei der Akquise eines Auftrags dessen Machbarkeit, sowohl hinsichtlich der Produktentwicklung als auch der Fertigung“, sagt Martin Thier, Director Corporate Quality Management im Mahle-Konzern. Es komme darauf an, „präzise zu wissen, was man tut, was man kann und wie gut man darin ist“. Gestiegen sei die Intensität zum Beispiel auch dabei, einen folgenlosen Fehler bei einer Komponente daraufhin zu untersuchen, wie er sich in einem anderen Bauteil auswirken würde. Ein weiteres Handlungsfeld folgt aus der Internationalisierung: Weltweit vertriebene Plattformen werden in den Hauptabsatzmärkten auch gefertigt. Um regionale Kostenvorteile auszuschöpfen, drängen die Autobauer ihre Systemlieferanten, vor Ort einzukaufen. Die Vorqualifikation der lokalen Zulieferer streut aber weltweit recht stark. Deshalb übernehmen die Systemlieferanten zunehmend die Vorgehensweise, die sie von ihren Kunden kennen: „Bei Produktneuanläufen schulen wir bei Bedarf unsere Lieferanten in den entsprechenden Methoden und Verfahren und gehen auch in deren Werke, um dort einen stabilen Produktionsprozess sicherzustellen“, so Woytowicz.
Gleichteilestrategien und Plattformen
Qualität gewinnt weiter an Bedeutung
Weltweit treiben die Autohersteller die Standardisierung nicht nur auf der Ebene der Komponenten, sondern auch bei Modulen und Systemen voran. Die Strategie ermöglicht sinkende Stückkosten, impliziert aber auch höhere Risiken: Defekte Zündschlösser in Modellen von GM haben eine Reihe von Rückrufen ausgelöst, die mittlerweile 20 Millionen Fahrzeuge betreffen.
Identische Qualität nötig
Aus der Sicht von Radics wird das künftig nicht mehr reichen: „Gleiche Teile mit gleicher Spezifikation aus verschiedenen Ländern und auf unterschiedlichen Werkzeugen hergestellt müssen dennoch qualitativ absolut identisch sein, damit sie jederzeit in jedem anderen Werk verbaut werden können.“ Dies sei für Autohersteller wie Zulieferer nach wie vor eine große Herausforderung.