Peking. Daimler investiert daher in den kommenden Jahren über eine Milliarde Euro in Produktion, Händlernetz sowie Forschung und Entwicklung. Gerade wurde in Peking ein Forschungszentrum eröffnet. Menschen in Megacitys wie Peking oder Schanghai liefern den Entwicklern und Trendforschern nicht nur wichtige Informationen über Design, Mode, Materialien, Farben, Kultur, Geschmack und Multimedia. Sie zeigen vor allem, wie schnell und stark sich die Gesellschaft in China verändert. Darauf muss Daimler reagieren. „Durch unser neues Zentrum für Forschung und Entwicklung können wir lokale Vorlieben, Anforderungen und Entwicklungen sehr viel schneller umsetzen“, sagt Entwicklungschef Thomas Weber. Ein China-Design werde es aber – abgesehen von den verlängerten und hier gebauten Versionen der E-Klasse (V 212) und C-Klasse (V 205) – nicht geben. Derzeit beschäftigt das neue Forschungszentrum knapp 350 Mitarbeiter. Gut 80 Prozent davon sind Chinesen. Bis Ende 2015 will Mercedes die Belegschaft um 150 Personen aufstocken. Im Gegenzug wurde der Designbereich des Centers in Tokio geschlossen, für Asien ist nun allein Peking zuständig. Im vergangenen Jahr verkaufte Mercedes in China 211.239 Fahrzeuge, rund die Hälfte aus lokaler Produktion. Die S-, E- und GLK-Klasse sind in ihrem Segment jeweils führend. Schon im kommenden Jahr sollen deutlich mehr als 300.000 Fahrzeuge verkauft werden, wofür hauptsächlich das Crossover GLA sorgen soll, das auch vor Ort gebaut wird. Die lokale Produktion soll dann knapp 70 Prozent erreichen. Troska geht davon aus, über die kommenden zehn Jahre ein durchschnittliches Absatzplus von sechs Prozent erreichen zu können. Dafür wird auch der Vertrieb ausgebaut. Waren es 2010 erst 166 Händler, sollen es Ende dieses Jahres 441 sein. „Wir werden dann überall dort präsent sein, wo auch unsere deutschen Wettbewerber ihre Verkaufsräume haben“, sagt Troska.
Lokale Bedürfnisse
China bestimmt Entwicklung mit
Eine Kurve hat es Hubertus Troska besonders angetan: Jene, die die Neuzulassungen in China der vergangenen 15 Jahre aufzeigt. Sie klettert kontinuierlich von jährlich 600.000 auf über 16 Millionen. Damit verdrängt China die USA auf Platz zwei der weltweiten Märkte. Für Daimlers China- Chef Troska gibt es daher keinen Zweifel: „Das Reich der Mitte bleibt der größte Automarkt der Welt – für alle Zeiten.“ Hier gibt es noch reichlich Nachholbedarf: Auf 1000 Bewohner kommen derzeit 90 Pkw. In den USA sind es 766, in Deutschland 564