München. Beim Design, seit längerer Zeit in der Kritik (zu wenig Unterscheidung zwischen den einzelnen Baureihen), übernahm vor Kurzem Marc Lichte die Leitung. Der 44-Jährige zeichnete zuvor bei Volkswagen unter anderem Golf, Touran, Tiguan und Passat. Doch bevor Lichtes neue Linien Einfluss auf ein Serienmodell von Audi haben, werden noch mindestens zwei Jahre vergehen. Dafür dürfte bereits im Herbst in Paris ein Showcar von ihm stehen und einen Ausblick geben, wohin die Reise der vier Ringe geht. Kommende Woche wird Audi in Genf die dritte Generation des TT vorstellen. Zunächst geht das Coupé in den Markt, ein Jahr später folgt der Roadster. Der Radstand wird länger, die Überhänge kürzer. Der Modulare Querbaukasten (MQB) erlaubt auch hier eine bessere Raumausnutzung und spart Gewicht. Einen Blick ins Cockpit des TT gewährte man dem Publikum schon Anfang Januar auf der Messe CES in Las Vegas. Auf den üblichen Bildschirm in Armaturenbrettmitte wurde verzichtet. Der Fahrer kann dafür zwischen zwei Anzeigemodi im Instrumententräger wählen. Ebenfalls auf Basis des MQB stellte Audi in Detroit eine Shooting- Brake- Studie auf die Räder. Das TT-Derivat bekam so viel positive Resonanz, dass man in Ingolstadt ernsthaft über eine Serienversion nachdenkt. Debüt: nicht vor2016. Im selben Jahr beginnt auch die Produktion des Q1. Das wenig mehr als vier Meter lange City- SUV rundet die Palette nach unten ab und gilt als wichtiger Baustein für die Wachstumsstrategie von Audi. Das Projekt Q2 ist vom Tisch. Grund: Die Abgrenzung der Segmente wäre zu eng bemessen. Dafür verdichten sich die Spekulationen, dass Audi nun doch mit einem Van kommt, positioniert gegen den BMW Zweier Active Tourer und gegen die Mercedes B-Klasse. Dieses Segment wäre für die Ingolstädter absolutes Neuland. Lichte und seinem Team muss es gelingen, dem MPV jegliche Assoziationen an ein biederes Familienfahrzeug zu nehmen, auf der anderen Seite aber ein Maximum an Funktionalität zu erzielen. Technisch wird sich der Audi-Van das Chassis mit dem nächsten VW Touran teilen. Bei den Antrieben greift Audi bei allen MQB-basierten Modellen auf die bewährten TDI- und TFSI-Motoren zurück. Zusätzlich kommen im Zuge weiterer Downsizing- Maßnahmen auch Dreizylinder zum Einsatz. Das Angebot an Erdgas-Varianten wird ausgebaut. Schon dieses Jahr schickt Audi seinen ersten Plug-in-Hybrid auf die Straße. Der A3 e-tron schafft eine elektrische Reichweite von 50 Kilometern und darf als Antwort auf den BMW i3 betrachtet werden. Nach und nach sollen sämtliche MQB-Modelle Plug-intauglich gemacht werden. Vermutlich sogar der TT , das hängt vom Batterie-Package ab. Doch Entwicklungschef Ulrich Hackenberg gibt sich zuversichtlich: „Wir erwarten für die nächsten Jahre bei den Lithium-Ionen-Akkus deutliche Leistungszuwächse.“
Audis Ziele bis 2020
Neue Modelle gegen die Münchner
Audi will 2020 die weltweit stärkste Premiummarke unter den Autoherstellern sein. Derzeit rangieren die Ingolstädter auf Platz zwei, hinter BMW und vor Mercedes. 1,575 Millionen Autos verkaufte Audi im vorigen Jahr, zehn Prozent gingen in die USA, ein Drittel nach China. Das Ziel von Vorstandschef Rupert Stadler sind zwei Millionen Einheiten jährlich. Das klappt – eine intakte Weltwirtschaft vorausgesetzt – allerdings nur mit gesteigerter Nachfrage, neuen Märkten (Europa dürfte weiterhin stagnieren), attraktivem Design, anspruchsvoller Technik und zusätzlichen Baureihen. Von Letzteren bietet Audi seinen Kunden derzeit zwölf. Mindestens vier bis fünf werden hinzukommen. Bis 2018 will Stadler 22 Milliarden Euro allein in neue Modelle und Technologien stecken, ein Rekord-Investment. Audi produziert global in elf Werken. 2015 und 2016 kommen Brasilien und Mexiko hinzu.