München. Rosig sieht Bentleys alter und neuer Chef Wolfgang Dürheimer die Zukunft des Unternehmens. Innerhalb der kommenden vier Jahre will man den Absatz um weitere 50 Prozent steigern, auf 15.000 Einheiten. Erreicht werden soll dies erstens über stärkere Diversifikationen. Jüngstes Beispiel ist der Flying Spur mit V8-Motor. Die Limousine, die ihre Architektur mit dem VW Phaeton teilt, gab es bislang nur mit einem Zwölfzylinder. „Der deutlich sparsamere Achtzylinder spricht neue Kunden besonders in Europa an und könnte rund 50 Prozent innerhalb der Baureihe ausmachen“, sagt der Direktor für Produktmanagement, Paul Jones. Zweitens: Erschließung neuer Märkte. Nach BRIC (Brasilien, Russland, Indien, China) steht für Bentley nun MINT (Mexiko, Indonesien, Nigeria, Türkei) auf der Agenda. Drittens: neue Baureihen. Für eine hat sich Bentley bereits entschieden: das SUV. Vor zwei Jahren konnte man in Genf mit dem riesigen und unproportioniert wirkenden Konzeptauto EXP 9F bereits einen ersten Eindruck gewinnen. In sogenannten Car Clinics rund um die Welt holten sich Bentleys Strategen die Bestätigung: Ausreichend großes Interesse für Super-Luxus-SUVs ist vorhanden. Dort, wo der Range Rover aufhört, will Bentley anfangen. Auch preislich. Unter 200.000 Euro soll es das Luxus- SUV nicht geben. Die Chassis-Architektur liefert im Wesentlichen der nächste Audi Q7 (ab 2015). Auch die Rohkarosse soll gemeinsam mit dem Audi-SUV im Werk Bratislava gebaut werden. Sie geht grundiert nach Crewe, wird hier lackiert und fertiggestellt. Als adäquate Antriebsquelle dürfte einmal mehr der Sechsliter-W 12 dienen, den Bentley ab Ende dieses Jahres exklusiv für den VW-Konzern fertigt. Damit ist die britische Luxusmarke der weltgrößte Hersteller von Pkw-Zwölfzylindermotoren. Jährlich sollen rund 9000 davon gebaut werden. Darüber hinaus kommen in dem XXLSUV – einen Namen will Bentley noch nicht verraten – Audis Vierliter-Biturbo- V8 und 2017 auch ein Plug-in-Hybrid zum Einsatz. Dass man sich in Crewe mit der Elektrifizierung auseinandersetzt und das Thema ernst nimmt, zeigte bereits eine Mulsanne-Hybrid-Studie im April in Peking. Nachgedacht wird auch über ein potentes Selbstzünder- Aggregat. „Wenn es ein Go für einen Diesel gibt, wird das SUV das erste Fahrzeug bei Bentley sein, das damit bestückt ist“, sagt Jones. Zurückhaltender reagiert der Produktmanager auf die Frage nach einer fünften Baureihe, wie sie derzeit durch die Medien geistert. Weder wann noch wo man diese platzieren will ließ Jones durchblicken. Nur so viel: Eine fünfte Baureihe, angeblich ein Zweisitzer, wird nicht zur Imagebildung benötigt, sondern soll, wenn überhaupt, das Volumen nachhaltig erhöhen. Selbst die Produktion von 5000 Einheiten pro Jahr sei vorstellbar, wenn es sich rechnet. Und das, so Jones, hänge wesentlich von den Synergien im Volkswagen- Konzern ab: „Der Baukasten muss solch ein Modell hergeben.“
Luxus-Geländewagen ab 200.000 Euro
Konzentration aufs Prestige-Projekt SUV
Etwas Besseres hätte Bentley in seiner 95-jährigen Geschichte nicht passieren können. Die Übernahme durch Volkswagen 1998, die Abspaltung von Rolls-Royce und die Investition der Wolfsburger von mehr als einer Milliarde Euro erwiesen sich als glückliche Fügung. Bentley ist heute die größte Luxusautomarke der Welt. Im vergangenen Jahr liefen im englischen Crewe erstmals mehr als 10.000 Autos von den Bändern. Knapp 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor, das vierte Jahr in Folge ein zweistelliger Zuwachs. 86 Prozent aller neuen Bentley gehen in den Export. Kunden müssen bis zu einem halben Jahr auf Modelle wie Continental, Flying Spur oder das Flaggschiff Mulsanne warten.