Apple hat sich einmal sehr genau überlegt, ein Auto zu bauen – und verwarf das Projekt schließlich. Zu komplex. Google steht derzeit vor der gleichen Entscheidung: Autonom soll es fahren, das Google Car, und nicht einmal Lenkrad und Pedale haben. Ob es so kommt, steht noch nicht fest. So ist die Frage nicht entschieden, ob IT-Unternehmen gute Autohersteller sind. Dass Autohersteller schlechte IT-Unternehmen sind, ist jedoch sicher. Gemeinsam mit ihren Zulieferern quälen sich die Hersteller seit Langem damit herum, dem Kunden für Tausende von Euro Infotainmentsysteme im Auto zu verkaufen, die dieser längst billiger und besser in der Hosen- oder Aktentasche mit sich herumträgt – in Form eines Smartphones oder Tablets. Das Geschäftsmodell Infotainment, so wie die Hersteller es bisher verstanden haben, ist tot – auch wenn das noch nicht alle gemerkt haben. „Ein Auto ist künftig ein Mobile Device“, sagt der Entwicklungschef von Jaguar Land Rover, Wolfgang Ziebart, „wie ein Smartphone oder ein Tablet.“ Als ehemaliger Vorstandschef von Infineon, ohne deren Chips es gar kein iPhone gegeben hätte, kennt er sich mit der Thematik besser aus als viele seiner Kollegen. Seine Vision: Daten und Apps (Programme) liegen größtenteils in der Cloud, also irgendwo im Internet. Das Auto gibt dem Nutzer, am besten über sein Smartphone, nur Zugriff darauf.
Der Versuch der Autohersteller, eigene Apps oder komplexe, fest installierte Infotainment-Lösungen anzubieten, ist immer schwieriger zu realisieren. Was der Autobauer seinen Kunden noch bieten kann, ist ein gewisser Grad an Unabhängigkeit, sollte die Datenverbindung mal ausfallen. Für die Autohersteller hat diese Vision zwei Seiten: Einerseits waren fest installierte Navis, die für 250 Euro vom Zulieferer ge- und für 2500 Euro an den Endkunden verkauft wurden, ein gutes Geschäft. Andererseits können sie die Aufmerksamkeit ihrer IT-Entwickler jetzt auf ein anderes, nicht minder wichtiges Zukunftsfeld lenken: Die Vision vom unfallfreien oder autonomen Fahren zu realisieren, bevor Google es tut. Die Arbeit geht den IT-Ingenieuren so schnell nicht aus.