Herzogenaurach. Deller wurde von den Führungskräften in Herzogenaurach mit größtem Argwohn gesehen. Dass er von Continental-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle bei Knorr-Bremse losgeeist wurde, um den Chefposten bei Schaeffler übernehmen zu können, machte die Sache nicht besser. Reitzle hat bei den Franken mittlerweile den Ruf des „Trojanischen Niedersachsen-Rosses“, der lieber Schaeffler als Conti-Tochter sähe denn umgekehrt. Erste Gesprächsversuche Dellers bei den Führungskräften in Herzogenaurach trafen dort auf eine Mauer der Ablehnung.
Doppelspitze installiert
Schließlich warf Hauptanteilseigner Georg Schaeffler das Ruder herum: Rosenfeld bekam einen Fünfjahresvertrag, Deller eine Abfindung von elf Millionen Euro und wird nun Knorr-Chef. Rosenfeld und Gutzmer wissen nicht nur Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler hinter sich. Auch die Mehrheit der Belegschaft begrüßte die Personalentscheidung, die Schaeffler technologischen Vorsprung und wirtschaftliche Unabhängigkeit sichern soll. Rosenfeld hatte das nach dem Einstieg bei Conti hoch verschuldete Unternehmen vor dem finanziellen Schiffbruch bewahrt. Der 48-jährige Betriebs- und Volkswirt hatte eine klassische Banker- Laufbahn hinter sich, als er 2009 zu Schaeffler wechselte. Der Vater von vier Kindern hört klassische Musik und treibt viel Sport, wozu ihm wegen der Doppelbelastung des Vorstands- und Finanzchefs derzeit aber nur wenig Zeit bleibt. Wolfgang Reitzle hingegen dürfte bald wieder mehr Zeit haben: Sein Verhältnis zur Familie Schaeffler gilt als zerrüttet. Ob sein Aufsichtsratsmandat bei Conti, das bis zur Hauptversammlung im April 2015 läuft, verlängert wird, ist mehr als unsicher.