München. Auf den Testgeländen der Autohersteller sieht das ganz anders aus. Weil viele Fahrmanöver während der Entwicklung monoton, belastend oder gar gefährlich sind, gehört der Autopilot dort seit Jahren zum Alltag. Egal ob bei Ford im belgischen Lommel oder bei Mercedes in Sindelfingen: Wenn es brenzlig wird, wenn Prototypen über Marterstrecken gescheucht werden oder wenn es auf exakt reproduzierbare Ergebnisse ankommt, lassen die Entwicklungsingenieure immer öfter Roboter und Rechner statt Testfahrer ans Steuer. Bei Ford zum Beispiel sind bereits seit 15 Jahren Fahrroboter im Einsatz. Die Kölner schätzen dabei vor allem die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Ford in den USA nutzt zudem Maschinen statt Menschen, wenn es um den Test der Dauerhaltbarkeit von Prototypen geht. Endlose Fahrten auf Kreisbahnen oder stundenlange Schlagloch-Strapazen wollen die Amerikaner ihren Mitarbeitern so ersparen. Der Arbeitsschutz steht auch bei Mercedes im Vordergrund: Vor allem die sogenannten Misuse-Versuche, also Fahrsituationen, in denen das Rückhaltesystem nicht aktiviert werden darf, es aber eine große physische Belastung für den Fahrer gibt, werden immer öfter mit Fahrrobotern absolviert, berichtet Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Zudem haben die Schwaben für die Entwicklung ihrer Assistenzsysteme sogar eigene Roboterfahrzeuge konstruiert, die als selbstfahrende „Targets“ eingesetzt werden und andere Verkehrsteilnehmer simulieren sollen. Ersetzen können die Roboter den Testfahrer aber bis auf Weiteres noch nicht. „Auf absehbare Zeit kann nur ein Mensch die notwendige Rückmeldung geben, um auch das letzte Quäntchen an Meinung in die Entwicklung einfließen zu lassen. Das viel zitierte Popometer ist hier noch immer ein Gradmesser für den Erfolg“, sagt Matthias Schollmaier, der das Opel-Testcenter in Dudenhofen leitet.
Auf Testgeländen ist der Autopilot längst alltäglich
Autonom im Grenzbereich
Autonomes Fahren ist zwar einer der großen Technologietrends dieser Dekade. Doch bis die Elektronik auf der Straße tatsächlich das Steuer übernimmt, wird es nach einhelliger Meinung noch viele Jahre dauern.