Hannover. Beschleunigend wirkt dabei, dass die Bewertungsorganisationen Euro NCAP und ihr nordamerikanisches Pendant IIHS den aktiven Systemen immer mehr Gewicht beimessen. So ist bereits ab diesem Jahr ein Fünf-Sterne-Rating beim Euro-NCAP-Test ohne einen Notbremsassistenten an Bord praktisch nicht mehr möglich – und Bestnoten gelten als wichtiges Verkaufsargument. Der Notbremsassistent könnte neben der Spurverlassenswarnung im Pkw ab 2018 in einigen Automobilmärkten sogar gesetzlich vorgeschrieben sein und so dem Markt erheblichen Auftrieb verschaffen. Einen weiteren Impuls setzt der Trend zum automatisierten Fahren: „Je länger der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen darf, desto mehr Umgebungssensoren müssen verbaut sein“, sagt Andrew Whyell, Direktor Produktplanung der Elektroniksparte von TRW
Assistenten vor dem Abheben
Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, wird die Sensorik ständig weiterentwickelt. Die übergeordneten Ziele sind bei allen Anbietern gleich, Unterschiede gibt es allerdings im Detail. „Die Stereokamera wird mittel- bis langfristig einen Trend setzen“, glaubt Karlheinz Haupt, der das Geschäft mit Fahrerassistenzsystemen bei Continental verantwortet. Conti bevorzugt diesen Kameratyp ebenso wie Bosch, wenn an die Objekterkennung hohe Ansprüche gestellt werden. TRW dagegen verzichtet aus Kosten-Nutzen-Erwägungen darauf. „Ab spätestens 50 Meter ist der 3-D-Effekt beim heute gebräuchlichen Abstand der beiden Linsen dahin“, erläutert Sascha Heinrichs-Bartscher, Chefentwickler der Fahrerassistenzsysteme bei TRW. Die neue Monokamera S-Cam3 ermögliche mit sechsmal größerer Rechenleistung gegenüber dem Vorgängermodell nun sogar eine rein kamerabasierte automatische Notbremsung im Stadtverkehr. Bei höheren Anforderungen an die Genauigkeit der Entfernungsmessung kombiniert TRW diese Kamera mit einem neuen Radarsensor. Einen laufzeitbasierten Lasersensor (Lidar) führen weder TRW noch Bosch im Programm. „Lidar hat keine Zukunft“, meint Heinrichs-Bartscher, da die Technologie zum teilautomatisierten Fahren nicht benötigt werde und für kleine Segmente zu teuer sei.