München. Von den landläufig als 3D-Druck bezeichneten Fertigungsverfahren dürfte bald auch die Automobilindustrie profitieren. Die von Automobilwoche befragten Experten erwarten solche Produktionsprozesse in drei bis fünf Jahren in der Branche, Einzelanwendungen gibt es bereits. Beim Entwicklungsdienstleister Edag geht man davon aus, dass „auf den Konsumentenhype zeitnah industrielle Anwendungen folgen werden“. Auch auf der Hannover Messe fanden die Verfahren jüngst viel Beachtung.
Verfahren wie Selective Laser Melting (SLM), Selective Laser Sintering (SLS), Fuse Deposition Modelling (FDM) & Co. locken mit riesigen Potenzialen. Da sie Bauteile Schicht um Schicht aus Metall oder Kunststoff aufbauen, fallen geometrische Einschränkungen klassischer Fertigungsverfahren weg – fast jede Form ist machbar. Und die Produktion erfolgt ohne Werkzeuge – so entfallen Zeit und Kosten für den Werkzeugbau, individuelle Teile in Losgröße 1 sind kein Problem mehr. Auch Ersatzteilfertigung „on demand“ wäre denkbar.
Was machbar ist, demonstriert beispielsweise Edag mit zwei Projekten. Der Entwicklungsdienstleister zeigte beim Genfer Automobilsalon das Konzept "Genesis", einen entfernt karosserieähnlichen Schutzpanzer, der nach bionischen Prinzipien konstruiert und aus einem Stück gefertigt wurde. Wesentlich weniger eindrucksvoll, aber näher an der Realität ist ein ultraleichtes und multifunktionales Metallgehäuse für eine Leistungselektronik. Weil die Konstruktion sich allein an den Bauteilanforderungen orientieren konnte und nicht auf Restriktionen der Fertigungsverfahren geachtet werden musste, wurde es über 50 Prozent leichter als das Referenzbauteil. Dieses Bauteil „verkörpert somit eine neue Größenordnung des metallischen Leichtbaus“, betont Martin Hillebrecht, bei Edag Leiter des Bereichs Leichtbau, Werkstoffe, Technologien. Zudem ließ sich die Funktionalität verbessern und Kühlkanäle direkt in das Bauteil integrieren.
Für Prototypen sind die als additive oder generative Verfahren bezeichneten Prozesse bereits seit Jahrzehnten etabliert. War man anfangs auf Epoxidharze beschränkt, so können zunehmend auch Serien- oder seriennahe Materialien eingesetzt werden. Damit liegt der nächste Schritt in die Produktion nahe.