Washington. Mit 207.900 Zulassungen in den ersten sieben Monaten ist der VW-Absatz weiter denn je von jenen 800.000 Einheiten entfernt, die für 2018 auf dem Plan stehen. Abhilfe verspricht sich Horn vor allem von zwei neuen Baureihen der Marke, die auf die wichtigsten Segmente des US-Markts zielen: die Kompakt- und die Midsize-SUVs. Mit etwa 4,70 und 4,90 Metern jeweils größer und trotzdem günstiger als Tiguan und Touareg, sollen sie den Absatz beflügeln und zugleich besser verteilen: Machen Jetta und Passat heute jeweils rund 40 Prozent des VW-Absatzes in Amerika aus, will Horn sein Geschäft damit auf vier etwa gleich starke Säulen verteilen. Während die Serienfassung des CrossBlue ganz neu ins Programm kommt, wird das A-SUV in Amerika den aktuellen Tiguan ersetzen. Es nutzt zwar die gleiche Technik, bekommt aber einen verlängerten Radstand, der Platz für eine dritte Sitzreihe lässt und das Format für Amerikaner genauso attraktiv macht wie für die Chinesen. Trotzdem soll das Auto billiger werden: „Im Augenblick liegt der Tiguan etwa zehn bis zwölf Prozent über dem Wettbewerb, das müssen wir ändern“, hat Horn erkannt. Dass der US-Chef auf den großen Geländewagen noch bis 2016 und auf den langen Tiguan sogar bis 2017 warten muss, gilt als Versäumnis seines Vorgängers Jonathan Browning und hat den Engländer seinen Job gekostet. Denn er hatte die Erweiterung der Modellpalette nicht oder zumindest nicht mit genügend Nachdruck eingefordert. Damit das künftig nicht mehr passiert, wird der US-Standort Chattanooga mit einem eigenen F&E-Center aufgewertet und um 200 Entwickler aufgestockt. Die sollen vor allem neue Modellvorschläge erarbeiten. An heißen Ideen habe es der US-Mannschaft auch bislang nicht gemangelt. „Aber bis die in Wolfsburg durch den Apparat gelaufen sind, waren sie schon wieder ziemlich abgekühlt“, räumt Horn ein. Mit der neuen Struktur will er schneller und schlagkräftiger werden: „Wir kommen mit Vorschlägen, die komplett bewertet und durchgerechnet sind und liefern einen fertigen Business-Case, den der Vorstand nur noch absegnen muss.“ Seine Entwickler werden dabei gut zu tun haben. Denn Horn drängt nicht nur auf neue Baureihen, er will die aktuellen auch schneller austauschen. „Nach drei Jahren ein Facelift und nach weiteren zwei Jahren der Nachfolger“, gibt er vor. Davon erhofft sich der US-Chef nicht nur höhere Stückzahlen, sondern auch höhere Restwerte für die Kunden und mehr Rendite fürs Unternehmen: „Bei einer verkürzten Laufzeit müssen wir am Ende weniger Rabatte gewähren.“ Helfen sollen auch mehr Derivate – vor allem bei Jetta und Passat. Coupés mit zwei oder vier Türen, Kombis oder Crossover: Alles, was die Fabriken in Chattanooga und Puebla füllt, kommt ihm entgegen. „Wir müssen unseren lokalen Footprint vergrößern, damit wir eine bessere Rendite erreichen“, sagt Horn und nennt die Japaner als Vorbild: „Die entwickeln, bauen, produzieren und sourcen hier bis ins dritte Tier“, lobt er die Einkaufsstrategie der Konkurrenten. Zwar weiß Horn, dass er und sein Markt im Augenblick im Fokus des Vorstands und deshalb unter einem gehörigen Erfolgsdruck stehen. Doch kann der Manager dieser Situation auch etwas Gutes abgewinnen: „Jetzt habe ich in Wolfsburg die ungeteilte Aufmerksamkeit.“
US-Geschäft
Amerika hat bei VW oberste Priorität
Sieben Milliarden Dollar investiert der Volkswagen-Konzern bis 2018 in Nordamerika. Zwei neue Modellreihen bringt die Marke VW speziell für die USA. Alle zwei Monate tagt ein eigener Vorstandsausschuss. „Amerika hat bei VW im Augenblick die oberste Priorität“, sagte der neue VW-USA-Chef Michael Horn im Gespräch mit der Automobilwoche. Denn während dort fast alle anderen Marken weiter zulegen, läuft das Geschäft für VW im Rückwärtsgang.