Wann wird Seat wieder schwarze Zahlen schreiben?
Wir haben mit 2013 ein gutes Jahr hinter uns und sind eine der am schnellsten wachsenden Marken in Europa. Mit dem Leon haben wir ein stabiles zweites Standbein neben dem Ibiza. Der spanische Markt kommt langsam aus der Krise. In Deutschland sind unsere Neuzulassungen in 2013 um 22,4 Prozent gestiegen; auch UK und Frankreich steigern und stabilisieren sich weiter. Es gibt Rückenwind vom Markt und aus unserer eigenen Produktpolitik. Die Wachstumsrate 2014 wird beim Leon noch höher sein als 2013.Worauf führen sie Seats aktuellen Erfolg zurück?Wir haben aktuelle Modelle und mit dem Leon einen Gewinnertyp der bereits 52 von 81 Vergleichstests gewonnen hat. Wir gewinnen neben dem besseren Preis-Leistungsverhältnis auch in den Fahrzeugeigenschaften. Seit einem halben Jahr fahre ich einen Leon TDI. Er ist für mich Präzision.Der VW-Konzern scheint keine Stallorder für seine Tochtermarken ausgegeben zu haben. Das ist einzigartig. Wie schätzen Sie die Situation ein?Das ist gut so. In der Volkswagen Gruppe sind die Marken weitgehend autonom, aber selbstverständlich sind wir Teil eines internationalen Konzerns, in dem man koordiniert arbeitet. So wird ein einheitlicher Qualitätsmaßstab gewährleistet und Synergieeffekte zwischen den Marken bestmöglich genutzt. Welche Vertriebsphilosophie haben Sie von Porsche mit zu Seat gebracht?Ich glaube, dass die Regeln des Automobilgeschäftes überall gleich sind. Natürlich ist der Marketingmix bei Seat ein ganz anderer. Bei einem Volumenhersteller wie Seat spielen ganz andere Schwerpunkte eine große Rolle. Die Preispositionierung muss exakt stimmen, das Händlernetz muss optimal aufgestellt sein. In Spanien und Italien mussten wir das Händlernetz der geringeren Nachfrage anpassen. In England, Deutschland und Frankreich sind wir hingegen gewachsen und haben gute neue Händler etabliert. Wie stellen Sie sich aktuell international auf – Nordafrika und insbesondere Algerien standen für den ehemaligen Vorstandschef James Muir im klaren Fokus?Algerien würde ich gerne klonen. Dort haben wir rund 6,5 Prozent Marktanteil. Der Ibiza spielt dabei eine tragende Rolle. Dieses Jahr wollen wir das gleiche Ergebnis erreichen. Wir haben rund 25 Händler am Netz und werden es weiter ausbauen und spezialisieren. Ferner werden wir dort auch weitere Seatmodelle, unter anderem den neuen Leon Cupra einführen. Das Marktvolumen rechtfertigt diesen Schritt.Stichwort Sponsoring bei Eintracht Braunschweig. Was steckt dahinter?Mit keiner anderen Sportart wie dem Fußball und dazu noch in dessen höchster Spielklasse, lassen sich so viele Menschen erreichen und begeistern. Eintracht Braunschweig ist ein Traditionsverein, dem nach seinem souveränen Wiederaufstieg in die erste Bundesliga breite Sympathie und Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird. Die Mannschaft von Eintracht Braunschweig verkörpert glaubhaft unsere zentralen Markenwerte und repräsentiert unsere junge und dynamische Marke ausgezeichnet.Seat stand früher immer für Emotionen. Für die aktuelle Modell-Palette gilt das mehr denn je. Wie konnten sie diesen Schritt so erfolgreich vollziehen?Wir sind spanisch, wir sind deutsch. Wir haben es geschafft, das Beste von der Welt zu verbinden. Spanische Emotionen und deutsche, nüchterne Ingenieurskunst. Das Ergebnis ist ein aggressives Design in einem absolut zuverlässigen, hochwertigen Auto. Welches Modell fehlt noch in Ihrer Modell-Palette?Wenn man unsere Modell-Palette mit der von Volkswagen spiegelt, hat man die Antwort. Wäre es denkbar, noch weitere Modelle in Martorell zu fertigen?Natürlich – unser Werk in Martorell zählt derzeit zu den modernsten und flexibelsten im Konzern, was eine Grundvoraussetzung für den Ausbau der Produktion darstellt. Volkswagen hat weltweit mehr als 100 Fabriken. Man muss diesen Konzernverbund sinnvoll nutzen. Mii und Toledo kommen zum Beispiel aus Tschechien, in Martorell hingegen bauen wir den Audi Q3. Was ist der aktuelle Sachstand in China? Seat hat in China Potenzial. In einem ersten Schritt begann Seat im Kontext eines verstärkten Preiskampfes zwischen den Marken mit dem Verkauf importierter Fahrzeuge in China. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sind sehr wichtig. Für eine weitere Entwicklung auf diesem Markt müssen jedoch die nächsten Schritte festgelegt werden, die derzeit von Seat analysiert werden.Wie schätzen die Chancen für E-Mobilität bei Seat ein?Die Einführung elektrischer Autos hängt stark von der Entwicklung des Marktes ab. Was die nötige Technologie angeht, so ist Seat bereits sehr gut aufgestellt und kann schnell reagieren, wenn es zu konkreten Nachfragen seitens der Kunden kommt. Derzeit läuft die Entwicklung des Marktes elektronischer Mobilität jedoch langsamer an als erwartet, sodass wir uns aktuell vor allem auf das Thema „ecomotive“ konzentrieren. So erreichen wir mit dem Leon einen Emissionswert von 85 Gramm CO-2 pro Kilometer und mit dem Mii CNG sogar einen Wert von lediglich 79g CO2/kmDer neue Leon Cup Racer steht auf dem Messestand. Wie weit sind Sie mit ihrem Projekt im Bereich Kundensport?Wir peilen mit dem Auto einen reinen Kundensport an. Wir sind sehr zuversichtlich, in diesem Jahr mindestens 40 Einheiten vom Cup Racer zu verkaufen. Mehr als die Hälfte davon sind bereits schon verkauft. Ab Mai werden die Teams europaweit im Rahmen größerer Rennserien starten.Interview mit Seat-Vertriebsvorstand
"Wir haben mit dem Leon einen Gewinnertyp"
Andreas Offermann, Vertriebschef von Seat, erklärt im Interview mit Automobilwoche unter anderem die Gründe für die jüngsten Erfolge des langjährigen Volkswagen-Sorgenkinds.