München. Betrachtet man die Entwicklung der Märkte, zeigen sich die Unterschiede noch deutlicher: Während Dudenhöffer das Wachstum vor allem in China erwartet, weil er dort noch keine Regulierungstendenzen sieht und dem Markt auch künftig noch viel Potenzial attestiert, ist Bratzel skeptischer. Nach den „überraschend hohen zweistelligen Zuwächsen trotz vergleichsweise langsamen Wirtschaftswachstums“ im vergangenen Jahr erwartet er nun nur etwas mehr als halb so viel Zuwachs wie sein Kollege aus Duisburg. Staus und Umweltprobleme könnten mittelfristig zu mehr Regulierung und einer Dämpfung des Nachfragebooms führen, so Bratzel. Den USA traut er dagegen mehr Wachstum zu als Dudenhöffer. Er begründet seine Prognose unter anderem mit verbesserten Wirtschaftsdaten, der veralteten Flotte auf den Straßen der Vereinigten Staaten und guten Finanzierungsangeboten. Dudenhöffer glaubt dagegen, dass der US Markt nur noch langsam zulegen wird, weil er sich seinem „langjährigen Normalniveau“ annähere. „Damit werden trotz Wirtschaftswachstums die Zuwächse kleiner.“ Großes Potenzial sieht er allerdings im Premiummarkt jenseits des Atlantiks, dadurch könnten die Umsätze dort deutlich schneller steigen als der Absatz. Auch für Westeuropa ist Bratzel etwas optimistischer. Grundlage dafür ist die Erwartung positiverer Wirtschaftsdaten in den Kernmärkten, Nachholbedarf angesichts alter Fuhrparks und eine Verbesserung der Verbraucherstimmung. Dudenhöffer ist hier skeptischer. Er erwartet unter anderem für England einen leichten zyklischen Rückgang nach einem sehr starken Jahr 2013 und in den südeuropäischen Ländern einen nur langsamen Aufschwung. In Spanien beispielsweise ließen „dünnes Wirtschaftswachstum“ und hohe Arbeitslosigkeit keine schnelle Erholung zu. Deswegen sei zu befürchten, dass die Neuwagenverkäufe dort nach einem von staatlichen Förderprogrammen getragenen guten Start einbrechen, wenn diese staatliche Unterstützung aus Budgetgründen nach drei bis vier Monaten ausläuft. Auch für Deutschland gehen die Prognosen auseinander. Dudenhöffer lehnt sich hier mit Wachstumserwartungen aus dem Fenster, die die Prognosen anderer Institute und Organisationen übertreffen. Seine Zuversicht stützt er unter anderem auf gute wirtschaftliche Bedingungen, attraktive Finanzierungsmöglichkeiten und den alten Fahrzeugbestand.
Fünf Prozent Wachstum
„Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ Zieht man diesen Satz Helmut Kohls heran, lassen sich die Prognosen der beiden Autoexperten Stefan Bratzel (Center of Automotive Management, CAM) und Ferdinand Dudenhöffer (Center Automotive Research, CAR) auf einen Nenner bringen: fünf Prozent Absatzwachstum bei Pkw weltweit im Jahr 2014. Die Branche bleibt auf Wachstumskurs. Doch schon bei der Frage, wie viele Autos das sind, gehen die Zahlen weit auseinander (siehe Grafik), was auch daran liegt, dass beide Experten von unterschiedlichen Zahlen für die Vorjahre ausgehen.