Peking. Nachdem eine Verbraucherschutzsendung im März vergangenen Jahres Volkswagen wegen Problemen am Doppelkupplungsgetriebe an den Pranger gestellt hatte, rief der Konzern mehr als eine Million Fahrzeuge in China zurück, darunter Golf und Lavida. Am Neujahrstag teilte General Motors mit, mehr als 1,4 Millionen Buick Excelle und Chevrolet Sail aufgrund von Problemen bei der Halterung der Kraftstoffpumpe zurückzurufen. Und jüngst kündigte BMW nach monatelangen Beschwerden eine Rückrufaktion wegen defekter Bolzen in der Nockenwellenverstellung an. Insgesamt wurden 2013 in China rund 5,3 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen – 65,3 Prozent mehr als 2012. Die meisten davon waren nach staatlichen Angaben ausländische Marken. Befördert wird das wachsende Selbstbewusstsein der Kunden durch die Neufassung des chinesischen Verbraucherschutzgesetzes, die Mitte März in Kraft trat. Sie stärkt die Rechte des Konsumenten und sieht unter anderem höhere Kompensationen bei Qualitätsproblemen sowie empfindliche Strafen vor, wenn Kunden irregeführt werden oder zu Schaden kommen. Im Autosektor gilt zudem seit Oktober, dass Händler defekte Neuwagen während der Garantiezeit nicht nur reparieren, sondern auf Wunsch des Kunden auch austauschen oder zurücknehmen müssen. Andernfalls drohen hohe Geldstrafen. „Diese Regeln wurden in den ersten Monaten noch nicht überall konsequent durchgesetzt“, sagt ein Branchenkenner. „Durch das neue Verbraucherschutzgesetz steigt aber der Druck, dass sich das ändert.“ Nach Angaben des Verbraucherrats in der Provinz Hebei werden künftig Händler, die dreimal einvernehmliche Lösungen mit Kunden verweigern, öffentlich als „Problemhändler“ geschmäht. Ein anderer Paragraf sieht vor, dass Unternehmen bis zum Zehnfachen des Werts aller zurückgerufenen Autos an Strafe zahlen müssen, falls sie Probleme verschleiern „Das bedeutet, dass Firmen bei Verstößen womöglich Hunderte Millionen Yuan zahlen müssen“, so die Anwaltskanzlei Hujia in Peking. Das sind Dutzende Millionen Euro.
Neuer Verbraucherschutz in China
Kundenrechte gestärkt
Die westlichen Autobauer sehen sich in China zunehmend von selbstbewusst auftretenden Kunden herausgefordert. Der Druck wird von den Staatsmedien angestoßen.