Peking. Daimler bestätigte, dass die NDRC eine Filiale in Schanghai untersucht hat. Die Preiswächter haben Medienberichten zufolge bereits Beweise für verbotene Absprachen mit Mercedes-Händlern in der Provinz Jiangsu gefunden. Auch General Motors erklärte, von der Behörde kontaktiert worden zu sein. Acht Autobauer senkten mittlerweile die Preise für Teile oder ganze Autos. Auch gegen zwölf japanische Zulieferer geht die Behörde vor, sie verhängte Strafen in Höhe von rund 150 Millionen Euro wegen Preismanipulation. Chinas Behörden gilt bereits eine dominante Marktposition als eine Art Monopol, wenn sie die jeweiligen Firmen ermächtigt, Preise zu diktieren. Die drei deutschen Hersteller Audi, Daimler und BMW dominieren das Premiumsegment in China. Ausländische Marken haben mehr als 60 Prozent Marktanteil. Schon länger gärt in China Kritik an Preisen für Autos und vor allem Teile – auch wenn sie teilweise den hohen Einfuhrzöllen Pekings geschuldet sind. Das sechs Jahre alte Anti-Monopolgesetz berechtigt die NDRC, Strafen zwischen einem und zehn Prozent des Umsatzes einer Firma zu verhängen. Die Autobauer betonen ihre Kooperation bei den Ermittlungen. Audi räumte lokale Verstöße ein: Eine Untersuchung in der Provinz Hubei habe ergeben, dass „bestimmte Maßnahmen“ des dortigen Händlernetzwerks „teilweise gegen das nationale Anti- Monopolgesetz verstoßen haben“. Audi werde eine Strafe akzeptieren, hieß es. Der Wirtschaftszeitung „21st Century Business Herald“ zufolge wird sie umgerechnet 30 Millionen Euro betragen. Die Ingolstädter hatten nach Angaben des Joint Ventures FAWVolkswagen zum 1. August die Teilepreise gesenkt. So wurde etwa das Teile-Auto-Preisverhältnis des Audi A6L von 4,1 : 1 auf 2,9 : 1 geändert, entsprechend dem Niveau anderer reifer Märkte, heißt es in einer Notiz des Joint Ventures. Dieses Verhältnis gibt an, um wie viel teurer im Vergleich zum fertigen Auto die Summe aller Teile ist. Das Ungleichgewicht wurde bei vielen Marken in China kritisiert. Kürzlich hatte die China Auto Maintenance & Repair Association berichtet, die Preise der Teile der Mercedes C-Klasse lägen bei rund dem Zwölffachen des Autos. Empörung war die Folge. Auch Daimler will ab September rund 10.000 Ersatzteile um 15 Prozent günstiger verkaufen, einzelne Teile gar um 29 Prozent. BMW senkte vor wenigen Tagen die Preise von mehr als 2000 Komponenten um durchschnittlich 20 Prozent. Auch Toyota und Honda kündigten Preissenkungen an. GM betont hingegen, das Teile-Auto- Preisverhältnis für Buick-, Chevrolet- und Cadillac-Modelle liege in China bei rund 3 : 1 und damit auf gleichem Niveau wie in den USA oder Europa. Bereits seit 2012 sei man im Kontakt mit der NDRC und unterstütze die aktuellen Ermittlungen. Preissenkungen für Teile schmerzen die Autobauer nach Ansicht von Analysten nicht sehr. Das Ersatzteilgeschäft mache in China einen kleinen Teil des Gewinns aus, sagte John Zeng von LMC Automotive in Schanghai. Eine Sprecherin von Jaguar Land Rover räumte indes ein, die angekündigte Preissenkung von rund 24.000 Euro für die Modelle Range Rover 5.0 V8, Range Rover Sports 5.0 V8 und Jaguar F-Type Cabriolet werde schon „einen gewissen Einfluss“ auf die Gewinne des China-Geschäfts haben.
China
Autobauer auf der Anklagebank
China geht mit wachsender Härte gegen Wettbewerbsverzerrung im Automarkt vor. Mehrere internationale Autobauer sind ins Visier der mächtigen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) geraten. Die Behörde kündigte an, Audi und Chrysler wegen „monopolistischen Verhaltens“ mit einer Strafe zu belegen, deren Höhe unklar ist.