Es sind große Fußstapfen, in die der neue ZDK-Präsident Jürgen Karpinski da tritt. Mit dem 74-jährigen Robert Rademacher verlässt der Kapitän die Brücke, der den ZDK aus stürmischen in ruhigere Gewässer manövriert hat, wie Vizepräsident Ulrich Fromme feststellte – und sich dabei den Ruf eines „Gentleman der Automobilwirtschaft“ (VDIK-Präsident Volker Lange) erwarb. Doch so ruhig wird das Meer nicht bleiben, in dem der 64-jährige Karpinski manövrieren muss. Über dem deutschen Autohandel ziehen unübersehbar Stürme auf. Die Themen, die der neue Präsident bei Amtsantritt angesprochen hat, sind wichtig. Doch an der Mindestprofiltiefe und dem Gratis-Lichttest wird sich das Schicksal von Autohändlern und Werkstätten nicht entscheiden. Die Branche muss der Tatsache ins Auge sehen, dass Tausende Autohäuser in Deutschland überflüssig sind. Die chronische Renditeschwäche im Neuwagenhandel liegt eben nicht nur an der Überproduktion der Hersteller, sondern auch am Wettbewerb von ums Überleben kämpfenden Autohändlern untereinander.
Die so oft kritisierten Neuwagenportale sind nicht Verursacher, sondern nur Nutznießer dieser Misere. Heute kommt ein Kunde im Schnitt noch 1,2-mal ins Autohaus, bevor er einen Kaufvertrag unterschreibt. Als die meisten Autohäuser gebaut wurden, waren es mehr als drei Besuche. Das nennt man Überkapazität. Ungelöst ist auch die Aufgabe, die nächste Generation als Kunden ins Autohaus zu bekommen. Auch die Werkstätten sind keine Inseln im Sturm mehr: Die Autos brauchen immer weniger Wartung und Reparaturen. Und sollten einst Elektroautos ein Massenphänomen sein, werden Werkstattbesuche noch seltener. Auch im Service wachsen also die Überkapazitäten. „Bereits unsere Vorgänger haben automobile Revolutionen er- und überlebt“, sagte der neue ZDK-Präsident. Für die Branche als Ganzes mag das gelten, doch das sollte Händler und Werkstätten nicht in trügerische Sicherheit wiegen. Wenn die Festreden verklungen sind, müssen leider andere Töne angestimmt werden.