München.Der Automobilclub ADAC hat erneut in aller Schärfe Manipulationsvorwürfe bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen zurückgewiesen. Bei der offiziellen Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem «Gelben Engel» des Clubs am Donnerstag in München sprach Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC-Geschäftsführung, vor den geladenen Gästen von «Unterstellungen und Unwahrheiten». Die Leser der Kundenzeitschrift «Motorwelt» hatten den Golf nach ADAC-Angaben mehrheitlich gewählt. Am Dienstag war der Vorwurf laut geworden, der Club habe die Zahlen manipuliert. Der ADAC hatte dies zurückgewiesen.
Obermair sagte dazu, er könne nur versichern, dass die vier Buchstaben «ADAC» richtig abgedruckt worden seien. Im übrigen sei nichts älter als die Tageszeitung von gestern: «Mit der packt man den Fisch ein.» Wie viele Leser sich tatsächlich an der Abstimmung beteiligt hatten, teilte der ADAC auch anlässlich der Preisverleihung nicht mit.
VW-Chef Martin Winterkorn, der den Preis für das Lieblingsauto in München entgegennahm, wollte sich nicht zu den Manipulationsvorwürfen äußern. «Das sollte die "Süddeutsche Zeitung" mit dem ADAC ausmachen, da halte ich mich raus», sagte er. «Ich glaube nicht, dass hier der Eindruck entstanden ist, dass hier ein Klüngel vorhanden ist.»Auf Nachfrage der Moderatorin Nina Ruge sagte Obermair, der Kern des Vorwurfs bestehe doch darin, dass angeblich nur einige tausend Stimmen ausgewertet worden seien. Bei gängigen Umfragen zur Beliebtheit von Politikern genügten dagegen schon einige hundert Befragte. Er könne versichern, dass das Ergebnis ein «hochrepräsentatives Abbild der Meinungen unserer Mitglieder» darstellt.Der seit einem Skiunfall im künstlichen Koma liegende Michael Schumacher wurde vom ADAC als Persönlichkeit des Jahres geehrt. Der langjährige Ferrari-Teamchef Jean Todt sagte, er glaube fest an eine Genesung des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters. «Michael ist ein Kämpfer, ich kenne seine Energie, seinen Mut und seine Beharrlichkeit. Ich glaube fest daran, dass dies den Unterschied ausmacht zu einem Zeitpunkt, an dem das Schicksal zögert», sagte der Präsident des Weltmotorsportverbandes FIA, der mit Schumacher seit Jahren eng befreundet ist. Der ADAC würdigte Schumachers Einsatz für die Verkehrssicherheit und für soziale Belange.Insgesamt wurden neun Preise verliehen. VW siegte auch in den Kategorien «Familienauto» und «Eco-Auto», während BMW in den Bereichen «Reiselimousine» und «Qualität» gewann und zudem als beste Marke geehrt wurde. Daimlers Smart fortwo ed wurde bestes «Stadtauto». Der Preis für «Innovation und Umwelt» ging an die Motorrad-Stabilitätskontrolle von Robert Bosch. (dpa/gem)