München. In der Krise schlägt die Stunde der industrieeigenen Ketten, die schon seit geraumer Zeit auf Wachstumskurs sind. So legte die Pirelli-Tochter Pneumobil seit März 2013 in Deutschland um 25 auf 83 Outlets zu – unter anderem durch den Kauf von Reifen Wagner R.W. Auto-Technik aus Landshut mit zehn Standorten und 100 Mitarbeitern. Die Continental- Kette Vergölst wuchs – den erst im März wirksam werdenden Kauf von ESKA Reifendienst mitgezählt – um 18 Standorte. Die Michelin-Tochter Euromaster blieb im vergangenen Jahr zwar bei 332 Outlets konstant, im laufenden Jahr aber sollen gut 40 Franchisepartner hinzukommen. Bereits 2013 war die Zahl der Franchisepartner gestiegen, allerdings wurden einige eigene Standorte geschlossen. Lediglich bei Bridgestones Kette First Stop ging die Zahl der Outlets von 228 auf 204 zurück. Dahinter steckt nach Unternehmensangaben allerdings eine „überfällige Netzwerkbereinigung von rund 40 Kooperationsbetrieben“. Für 2014 ist wieder Wachstum geplant. Hülzer geht davon aus, dass durch diese Verschiebungen die Verteilung auf dem Markt kippt. Bisher habe es – nach der Zahl der Outlets gerechnet – immer mehr freie Händler und Händler in freien Kooperationen gegeben. Künftig werde es angesichts der Bewegung von Freien zur Industrie wohl mehr Outlets von industrienahen Kooperationen und Industrieketten geben. „Da wandelt sich das Branchengesicht doch erheblich.“ Der Abstand ist jedenfalls nicht mehr allzu groß. Im März 2013 standen 2384 freien Outlets (ohne die des Großhandels) 1994 gegenüber, die an die Industrie gebunden oder industrienah waren. Nach den Verschiebungen der vergangenen zwölf Monate dürfte der Abstand geschrumpft sein. Und aus der Branche ist zu hören, dass weitere freie Händler über Verkäufe nachdenken. Bei den freien Kooperationen der Reifenhändler wirkt sich der Trend bislang wenig aus. Zwar ging es etwa bei Point S um fünf Outlets auf 508 nach unten, bei EFR um sechs auf 298. Im Verhältnis zur Gesamtzahl ist das aber im Rahmen normaler Schwankungen. Und bei anderen Kooperationen wie MLX gibt es sogar ein kleines Plus von sechs auf 308. Deutlich stärker hat der BRV die Auswirkungen selbst zu spüren bekommen: Immerhin zwei Präsidiumsmitglieder haben ihre Betriebe an Ketten verkauft. Darunter auch der stellvertretende Vorsitzende des Verbands, Lothar Kerscher, der sich von ESKA trennte.
Krise im Reifenhandel
Die Ketten übernehmen
Es sind schlechte Zeiten für den Reifenhandel. 2013 war bereits das dritte Jahr hintereinander mit rückläufigen Verkaufszahlen in Deutschland. 6,2 Prozent betrug das Minus bei Pkw-, Offroad- und Leicht-Lkw- Reifen. Vergleicht man mit dem Jahr 2010, beträgt das Minus sogar fast ein Viertel. Auch bei den Lkw- Reifen läuft das Geschäft nicht sonderlich rund. Ein Stück weit konnte die Branche den Rückgang im Verkaufsraum durch Steigerungen im Dienstleistungsbereich ausgleichen, sodass die Umsätze moderater sanken als der Absatz. Doch die Ertragssituation ist problematisch. Im vom Reifenfachhandelsverband BRV erhobenen Betriebsvergleich für die ersten fünf Monate 2013 ergab sich eine durchschnittliche Rendite der Fachhandelsbetriebe von minus 3,4 Prozent. Der geschäftsführende Vorsitzende des BRV, Peter Hülzer, befürchtet, dass sich der Ertrag der Branche in etwa dort einpendeln könnte.