Flensburg. Die Zwischenbilanz trübt die großen Erwartungen, die die Automobilindustrie an den Absatz von Erdgasfahrzeugen hat. So sind in den vergangenen zwölf Monaten mit dem Volkswagen Golf und der Mercedes B-Klasse zwei Fahrzeuge aus dem volumenstarken Premium-Kompaktsegment mit neuen Erdgasantrieben ausgerüstet worden. Audi sichert den Käufern des ebenfalls neuen A3 g-tron sogar zu, dass sie komplett CO2- neutral unterwegs sind – die Bayern lassen dafür Erdgas aus überschüssigem Windstrom in Norddeutschland herstellen. Während der g-tron jedoch intensiv beworben wird, sind nach Meinung von Claudia Petersen viele Hersteller noch zu zurückhaltend. „Es fehlt am Bekenntnis“, so die Sprecherin der Initiative „Erdgas mobil“. Dass Erdgasautos nicht nur auf dem Papier umweltfreundlich sind, sondern auch in der Praxis, zeigt eine Auswertung des ADAC. Der Automobilclub hatte Fahrzeuge mit verschiedenen Antrieben im sogenannten „EcoTest“ im realen Straßenverkehr untersucht. Die elf getesteten Erdgasautos überschritten den auf dem Prüfstand ermittelten Normwert um lediglich neun Prozent, während die Abweichung bei Benzinern zehn und bei Dieselfahrzeugen 14 Prozent betrug. Besonders schlecht schnitten Hybridfahrzeuge (plus 25 Prozent) und Elektroautos (plus 42 Prozent) ab. Dass der Absatz der Erdgasautos nicht höher ist, obwohl Autofahrer damit deutlich günstiger unterwegs sind, dürfte auch an fehlenden politischen Entscheidungen liegen. Zwar hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag festgehalten, dass die drastische Energiesteuerermäßigung für Erdgas über das Jahr 2018 hinaus verlängert werden soll. Eine konkrete gesetzliche Regelung, die den Käufern langfristige Sicherheit geben könnte, steht jedoch aus. Während sich gasförmiges Erdgas (CNG, Compressed Natural Gas) am Markt zumindest auf niedrigem Niveau etablieren konnte, steht es in verflüssigter Form (LNG, Liquefied Natural Gas) noch ganz am Anfang. LNG – nicht zu verwechseln mit LPG (Liquefied Petroleum Gas) – wird auf circa minus 160 Grad heruntergekühlt, wodurch der Energieinhalt je Kubikmeter um das 600- Fache steigt. Es eignet sich insbesondere für Langstreckentransporte im schweren Güterverkehr und wird in der EU seit Längerem diskutiert. Mittlerweile steht mit dem Iveco Stralis das erste zulassungsfähige Fahrzeug zur Verfügung – das aber nirgends tanken kann. Immerhin hat „Erdgas mobil“ in Zusammenarbeit mit dem TÜV Süd mittlerweile eine virtuelle Mustertankstelle aufgebaut.
Zulassungen in Deutschland
Gasautos kommen nicht aus der Nische
Der Absatz von gasbetriebenen Fahrzeugen ist in Deutschland leicht rückläufig. Per Ende August registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt 9637 Neuzulassungen, das sind 135 Fahrzeuge weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahrs. Zwar konnten Pkw mit Erdgastank um 9,8 Prozent zulegen, dafür nahm die Zahl der neuen Autos mit Flüssiggasantrieb um 13,7 Prozent ab. Dem Erdgasauto, Hoffnungsträger vieler Klimaschützer, droht sogar, vom Elektroauto überholt zu werden: Nur noch 331 Neuzulassungen trennen die beiden alternativen Antriebe voneinander.