Erinnern Sie sich noch an die Worte von Bill Gates 1998 auf der Comdex, dem Vorläufer der Consumer Electronics Show? "Wenn General Motors mit der Technologie so mitgehalten hätte wie die Computerindustrie, dann würden heute alle 25-Dollar-Autos fahren, die 1000 Meilen mit einer Gallone Sprit schaffen." GMs Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Man müsse dann den Start-Knopf drücken, um den Motor auszuschalten. Immer wenn ein neues Auto von GM vorgestellt wird, müssten alle Autofahrer das Autofahren neu erlernen. Oder wenn Macintosh, also heute Apple, der Hersteller wäre, würde das Auto mit Sonnenenergie zuverlässig laufen, fünfmal so schnell und zweimal so leicht fahren – aber nur auf fünf Prozent der Straßen.
Ganz offensichtlich hatte GM schon damals präzise Vorstellungen von der Zukunft. Denn heute drücken wir den Start-Stopp-Knopf, fahren elektrisch und werden beim autonomen Fahren vieles neu erlernen müssen. Das Automobil fährt heute auf dem Daten-Highway, weil der Kunde seine digitalen Anwendungen auch im Auto haben möchte. Bill Gates allerdings hätte sich damals wohl im Traum nicht vorstellen können, dass heute bei den meisten Automarken Apple und Google im Cockpit sitzen. Microsoft dagegen müht sich auf der CES, den Anschluss im digitalen Auto- und Infotainment-Business zumindest zu halten: mit Windows 10, der Cloud-Lösung Azure und einem Fitness-Armband, um per Sprachbefehl den Volvo schon mal vorzuheizen.
Und General Motors? Der US-Konzern gibt Vollgas und attackiert sogar sein eigenes Geschäftsmodell: Mary Barra investiert eine halbe Milliarde US-Dollar in den Uber-Rivalen Lyft, um selbstfahrende GM-Taxis über die Plattform des Startups zu vermarkten. Ein Schritt, den Ford und andere Autobauer in dieser radikalen Form noch nicht gegangen sind. Vergleichbar mit den Medienhäusern um die Jahrtausendwende, deren Angst zu groß war, ihr eigenes, erfolgreiches Geschäft zu kannibalisieren. Suchte man 1998 ein gebrauchtes Auto, kaufte man die "SZ am Wochenende". Heute findet man es schneller bei Mobile.de oder AutoScout24.