München. Im Jahr 2017 soll ein neues Verfahren für Verbrauchs- und Abgastests in der Automobilindustrie eingeführt werden. Der Zyklus WLTP ("Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure") hat die weltweite Harmonisierung der Testverfahren zum Ziel. Er soll näher am realen Fahrgeschehen orientierte Testergebnisse liefern als das bisherige Verfahren im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ).
Der NEFZ löste den Euromix mit seinen Konstantfahrten bei 90 und 120 km/h ab und umfasste erstmals genau definierte, auf normierten und kalibrierten Prüfständen zu absolvierende Fahrzyklen. Der Vorteil: Die Ergebnisse der Prüfungen sind über alle Hersteller und Prüfstände hinweg vergleich- und reproduzierbar. Und es wird nicht nur der Kraftstoffverbrauch gemessen, sondern auch Emissionen, beispielsweise von Stickoxiden oder Partikeln. Erst so war es möglich, gesetzliche Grenzwerte zu definieren.
Doch der NEFZ ist seit Längerem unter Beschuss. Immer weiter haben sich die realen Verbrauchswerte von denen auf dem Prüfstand entfernt. Auch, weil die Hersteller ihre Motoren für das eng definierte Fenster der Prüfstandtests optimierten und dabei hart an die Grenzen gingen.
Die Manipulationen von Volkswagen nahmen dem NEFZ dann seinen letzten Rest von Glaubwürdigkeit. Außerdem spielt etwa die Aerodynamik der Pkw – ein entscheidender Effizienzfaktor im realen Überlandverkehr – bei den Geschwindigkeiten im NEFZ so gut wie keine Rolle.
Hinzu kommt: Der NEFZ gilt in wichtigen Märkten außerhalb Europas nicht, bedeutende Regionen wie USA und Kanada oder Japan haben eigene Zyklen, China hat zusätzliche Verfahren neben dem NEFZ. Das führt bei global tätigen Autoherstellern zu einem enormen Prüf- und Entwicklungsaufwand und zu einer Vielzahl technischer Varianten eigentlich gleicher Automobile.
Aus all diesen Gründen unterstützen gerade global tätige Hersteller die Bemühungen, einen realitätsnäheren und möglichst weltweit gültigen Prüfzyklus einzuführen. Doch die Aussichten dafür sind eher trübe. Derzeit jedenfalls wollen zum Beispiel die Amerikaner weiterhin eigene Prüfzyklen vorgeben.
Auch mit einem genormten Zyklus lässt sich die Bandbreite der realen Verbräuche und Emissionen auf der Welt nie komplett abdecken. Denn zu unterschiedlich sind die klimatischen Bedingungen beispielsweise zwischen den tropischen Verhältnissen in Asien und den langen Wintern in Russland. Hinzu kommen jahreszeitliche Schwankungen. Auch Unterschiede bei Verkehrsverhältnissen und -dichte, etwa Mega-Metropolen verglichen mit einsamen Autobahnen im Mittleren Westen der USA, sorgen für große Abweichungen. Ebenso unterschiedliche Fahrgewohnheiten und -temperamente.