München. Autoscheiben zu reparieren ist ein recht analoger Vorgang. Trotzdem hat Carglass seit April 2015 einen Chief Digital Officer (CDO). Im Interview erklärt der Leiter fürs Digitale seine Aufgaben und Methoden.
Herr Speyer, wie macht man als CDO eine Firma wie Carglass digital?
Ganz egal ob Carglass oder ein anderes Unternehmen: Für mich fängt so etwas ganz oben in der Geschäftsführung an. Jeder, der hier sitzt, muss sich fragen, ob er in dem, was er tut, digital lebt und denkt, oder ob er einfach nur darüber redet und eigentlich ein höchst traditionelles Leben führt. Der nächste Schritt ist dann, dies in alle Geschäftsprozesse weiterzugeben.
Wie sieht das konkret aus?
Dazu gehört, hier und da Dinge auszuprobieren, mal ins Silicon Valley zu Start-ups und Tech-Firmen zu fahren und zu sehen, wie die arbeiten. Der Blick über den Tellerrand ist wichtig. Wenn der ganz oben nicht existiert, kommt es unten nicht an. Aber auch die Mitarbeiter muss man empfänglich machen für diese Prozesse. Junge Kollegen sind da wichtig, denn die fordern ein völlig anderes Arbeiten.
Macht man sich da Feinde im Unternehmen?
Ich würde eher von Widerstand sprechen – und den gibt es sicherlich. Darauf folgt oft die Frage nach dem Warum. Dann gilt es, die Mitarbeiter ins Boot zu holen und eng mit denen zusammenzuarbeiten, die der Veränderungsprozess betrifft, um Stress und Unruhe zu vermeiden. Die einzelnen Mitarbeiter müssen sich gut fühlen mit ihren Aufgaben, mit neuen Geräten wie einem Tablet und mit der Software, die darauf installiert ist. Denn im Fokus stehen die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden – jetzt und in Zukunft. Wir digitalisieren nicht um des Digitalisierens willen.